Arbeitsanleitung zum Säure-Basen-Set NAM 2001


Auspacken

Bitte prüfen Sie beim Auspacken die Vollständigkeit und Unversehrtheit des Sets.


Es muss enthalten:

1 pH-Meter vom Typ Waterproof pHTestr10 BNC*)

1 Kabel mit BNC-Stecker zum Gerät und Schraubstecker zur Elektrode

1 Halbmikro-Glaselektrode Ingold pH 7005 (auch Einstabmesskette genannt) *)

1 Flasche Elektrolytbezugslösung KCl + ArgN

1 Flasche Titrierlösung N10 Salzsäure

1 Flasche Pufferlösung pH 7,00

1 Flasche Pufferlösung pH 4,01

1 Flasche Elektrodenreiniger Salzsäure-Pepsin

1 Stechampulle Heparin für Analysenzwecke


Nicht im Set enthalten, aber für die Analyse nötig:

Zentrifuge

Kolbenhubpipette 1 ml mit blauen Spitzen

Kolbenhubpipette 0,1 ml mit gelben Spitzen

Zentrifugengläser

Reagenzglasständer


*)

Vom pH-Meter ziehen Sie die Schutzfolie vom Display ab.

Von der Elektrode entfernen Sie den Klebestreifen "REMOVE", der das Nachfüllloch verschließt und schieben Sie den Plastikring über die Öffnung.


Aufbewahren

Schalten Sie das pH-Meter bei Nichtbenutzung aus. Sollten Sie das vergessen, schaltet es sich nach 8,5 Minuten automatisch ab.


Bewahren Sie die Elektrode in einem Reagenzglas mit etwas Elektrolytbezugslösung (KCl + ArgN) auf, oder verschließen Sie das untere Ende mit der Kunststoffkappe, diese mit etwas Elektrolytbezugslösung gefüllt. Die Lösung kristallisiert schnell aus, regelmäßig erneuern.

Vor der ersten Inbetriebnahme nach längerer Pause bitte die Elektrode 24 Stunden in die Elektrolytbezugslösung stellen.


Benötigte Lösungen immer in ein Zentrifugenglas abfüllen. Nie mit der Elektrode oder den Pipetten direkt in die Flaschen gehen.


Batterie wechseln:

Am dicken Ende des pH-Meters Deckel abschrauben, 4 Knopfzellen auswechseln.


Reinigen und Pflegen der Elektrode

Am unteren Ende der Elektrode befindet sich eine Keramikmembran, als weißes Pünktchen erkennbar. Hier erfolgt die eigentliche Messung. Beim Arbeiten im Blut setzt sich diese Membran mit der Zeit durch Proteine zu. Sie muss darum von Zeit zu Zeit in der Pepsin-Salzsäure-Lösung gereinigt werden. Dazu stellen Sie die Elektrode für einige Stunden in ein Reagenzglas mit dieser Lösung, spülen sie anschließend mit Leitungswasser ab und kalibrieren danach neu.


Bei diesem Reinigungsprozess schleißt die Membran. Die Elektrode gilt darum als Verbrauchsartikel. Darum: nicht öfter reinigen als nötig. Faustregel: nach etwa 20 Messungen reinigen.


Nach längerem Gebrauch sollten Sie die Elektrolytbezugslösung (KCl + ArgN) in der Elektrode auswechseln. Dazu schieben Sie den Plastikring abwärts, damit die Nachfüllöffnung frei wird, und schütteln die alte Lösung heraus - ohne die Tischkante zu treffen, was für die Glaselektrode meist tödlich ist. Mit einer Einwegspritze mit dünner Kanüle ziehen Sie neue Lösung auf, führen die Nadel durch die Öffnung gefühlvoll in die Elektrode ein und füllen bis oben hin die Flüssigkeit blasenfrei nach. Dann schieben Sie den Verschlussring wieder über die Öffnung. Anschließend muss kalibriert werden.


Anschließen der Elektrode:

Schließen Sie die Elektrode mit dem Kabel am pH-Meter an. Der BNC-Anschluss ist am dünnen Ende des pH-Meters unter dem abziehbaren Deckel. Das Kabel muss gerade und fest auf die Elektrode aufgeschraubt sein, damit der Kontakt einwandfrei ist. Verwahren Sie das Kabel sorgfältig aufgerollt. Bei einem Kabelbruch rätseln Sie sonst lange über die Ursache der Fehlanzeige.


Kalibrieren

Wie bei jedem Fotometer oder Messgerät muss auch beim pH-Meter zunächst die Anzeige des Gerätes auf einen Standardwert eingestellt werden. Da sich beim Messen diese Einstellung verschiebt, muss das Gerät vor jeder Patienten-Messreihe kalibriert werden.


In Deutschland und den USA ist das Kalibrieren auf die pH-Werte 4,01 - 7,00 - 10,01 üblich, im asiatischen Raum auf 4,01 - 6,86 - 9,18. Um das pH-Meter auf die Deutschland/USA-Puffer einzustellen gehen Sie bitte einmal wie folgt vor:


Die Elektrode muss hierzu nicht angeschlossen sein.

Halten Sie die Taste HOLD/ENT gedrückt, während Sie mit ON/OFF einschalten.

Auf dem Display muss "USA" stehen. Wenn nicht, wechseln Sie mit einem Druck auf die Taste CAL zur USA-Einstellung. Bestätigen Sie mit HOLD/ENT.


Vor jeder Untersuchung (Vollblut + Plasma):

Die Elektrode in ein Zentrifugenglas mit Pufferlösung 7,00 tauchen und mit Druck auf die Taste ON/OFF einschalten. Die Taste CAL zum Kalibrieren drücken. Auf dem Display erscheint unten der Standard-pH 7,00 und oben ein pH-Wert, der etwa zwischen pH 6 - 8 liegt (Kalibrationsfenster).. Wenn die obere Anzeige nicht mehr wandert sondern stabil innerhalb dieses Fensters bleibt, bestätigen Sie mit HOLD/ENT. Das kann bis zu 2 Minuten dauern.

Vorgang mit CAL abbrechen. Elektrode kurz mit Leitungswasser abspülen und abtupfen, messen.


Einmal täglich:

den Vorgang wie oben im Puffer 4,01 wiederholen.

Ein Kalibrieren auf 10,01 ist entbehrlich.


Fehleranzeige:

Er1, Or, Ur - keine Elektrode angeschlossen, falsche Pufferlösung

Blutentnahme

Sie brauchen 1 ml Vollblut und 1 ml Plasma, also entnehmen Sie zweckmäßigerweise 10 ml Venenblut. Der Arm sollte nicht zu lange gestaut sein. Nach der Entnahme füllen Sie das Blut vorsichtig in ein Zentrifugenglas um und geben aus einer Einwegspritze mit dünner Kanüle ca. 3 Tropfen Heparin hinzu. Das Glas einmal vorsichtig umstülpen, um das Heparin zu vermischen.


Das Blut darf nicht hämolytisch sein.


Wenn Sie zur Blutentnahme mit Vacuumsystemen arbeiten, erkundigen Sie sich beim Hersteller. Nahezu alle Systeme halten heparinisierte Röhrchen bereit. Sie ersparen sich dann die Heparinzugabe. Zur Gerinnungsaufhebung bitte kein EDTA oder Natriumcitrat verwenden.


Vollblutanalyse

Mit blauer 1 ml-Pipette (1000 µl) und blauer Spitze genau 1 ml Blut für die Vollblutanalyse in ein Zentrifugenglas abfüllen, den Rest in die Zentrifuge zur Plasmagewinnung geben.


Erst das Gerät und die Elektrode kalibrieren (siehe dort). Dann den Ausgangs-pH messen. Da durch die Blutentnahme und das Umfüllen CO2 entweicht, liegt der Ausgangs-pH immer etwas über der Norm, in der Regel zwischen 7,6 und 7,7. Das kann man durch Interpolieren korrigieren, was aber völlig entbehrlich ist, denn der pH-Wert ist bei ambulanten Patienten immer normal. Nicht der pH sondern die Pufferkapazität ist die Messgröße.


Mit gelber 0,1 ml-Pipette (100 µl) und gelber Spitze 0,1 ml Titrierlösung (0,1 N Salzsäure) in das Blut geben. Bitte die Titrierlösung nicht an der Glaswand herunterlaufen lassen, sondern direkt ins Blut tropfen lassen. Elektrode wieder eintauchen und vorsichtig umrühren, abwarten bis die pH-Anzeige am Gerät für ca. 10 Sekunden konstant bleibt, pH-Wert ablesen und ins Nomogrammblatt eintragen.


Diesen Vorgang 5 - 6 x wiederholen, bis der pH-Wert unter 6,1 liegt.


Die Elektrode wird nur zwischen Vollblut- und Plasmatitration abgespült und abgetupft, aber nicht nach jeder einzelnen Messung!


Verwenden Sie zur Titration sowohl des Blutes wie auch der Salzsäure nur geeichte Pipetten, am besten Kolbenhubpipetten. Achtung: zum Ansaugen den Knopf der Pipette bis zum ersten Anschlag drücken, zum Auswerfen den Knopf ganz herunterdrücken! Saugpipetten sind aus Sicherheitsgründen obsolet. Und alle Versuche, aus Sparsamkeitsgründen Insulinspritzen oder ähnliche Ersatzlösungen zu verwenden, führen zu "Hausnummern" als Ergebnis.


Plasma-Analyse

Mit blauer 1 ml-Pipette (1000 µl) und neuer blauer Spitze genau 1 ml nicht hämolytisches Plasma in ein Zentrifugenglas abfüllen. Elektrode kurz abspülen und abtupfen. Ausgangs-pH-Wert messen und eintragen. Er liegt in der Regel etwas höher als der Vollblut-Ausgangswert, meist zwischen 7,7 und 7,8.


Mit gelber 0,1 ml-Pipette (100 µl) und gelber Spitze 0,1 ml Titrierlösung (0,1 N Salzsäure) in das Plasma geben. Bitte nicht an der Glaswand herunterlaufen lassen, sondern direkt ins Plasma tropfen lassen. Elektrode wieder eintauchen und vorsichtig umrühren, abwarten bis die pH-Anzeige am Gerät für ca. 10 Sekunden konstant bleibt, pH-Wert ablesen und ins Nomogrammblatt eintragen.


Diesen Vorgang 3 - 4 x wiederholen, bis der pH-Wert unter 6,1 liegt.

Nomogrammblatt

Übertragen Sie die in der oberen Spalte notierten pH-Werte als Punkte auf die senkrechten Koordinatenlinien und verbinden Sie die Messpunkte durch eine Linie. Dort wo diese Linie die waagerechte Koordinatenlinie bei pH 6,1 (das ist der pK-Wert) kreuzt, lesen Sie die Pufferkapazität in mmol per Liter ab. Um die Vollblut- und Plasmalinie unterscheiden zu können, verwenden Sie zweckmäßigerweise unterschiedliche Farbstifte. Wenn Sie das Ergebnis faxen wollen, tunlichst kein rot, weil viele Faxgeräte rot nicht übertragen.


Normwerte

Vollblut 47 – 56 mmol/L

Plasma 27 – 36 mmol/L

Differenz (Intrazellulär-Puffer) >= 20 mmol/L


Intrazellulärpuffer

Die Differenz zwischen Vollblut- und Plasma-Pufferkapazität steht für die verworfenen Erythrozyten. Es gibt guten Grund zu der Annahme, dass der übrige Intrazellulärraum wie auch der Bindegewebspuffer sich hinsichtlich der Säure-Ein- und Auswanderung ähnlich verhält, so dass aus diesem Wert auf die intrazelluläre Pufferkapazität geschlossen werden kann Die intrazelluläre Pufferkapazität (PK-Vollblut minus PK-Plasma = PK-intrazellulär). sollte nicht unter 20 mmol/L liegen. Hauptursache von Abweichungen können der Hämoglobinspiegel (siehe dort) oder ein Kaliummangel sein.


Die intrazelluläre "Übersäuerung" (korrekt: Minderung der Pufferkapazität) ist die fatalste Form der Säure-Basen-Störung, denn sie wird mit keinem anderen diagnostischen Verfahren erkannt und setzt auch die Selbstschutzmechanismen der Niere außer Funktion. Die von Warburg und Seeger einst postulierte These von der Zellgärung (Säurebildung) als Ursache für Malignome könnte hier ihre Erklärung und Bestätigung finden.


Koordinatenpunkt und Ursache einer Veränderung

Eine waagerechte Linie vom (korrigierten) Ausgangs-pH des Vollblutes und eine senkrechte Linie über dem Schnittpunkt der Titrationslinie Vollblut mit der Abszisse bei 6,1 (Pufferkapazität) sollte sich theoretisch im Norm-Kästchen treffen, liegt aber durch die Abweichung des Ausgangs-pH-Wertes nach oben in der Regel etwas darüber. Wir haben das Kästchen bewusst nicht nach oben verschoben, sondern weisen statt dessen ausdrücklich auf diese Abweichung hin.


Der Ausgangs-pH lässt sich durch Interpolieren wie folgt korrigieren: die Vollblut-Kurve auf dem Nomogrammblatt verläuft in der Regel vom Ausgangs-pH bis zur ersten Titration etwas steiler als im Folgeverlauf. Legen Sie an den Folgeverlauf ein Lineal an und ziehen Sie die flachere Linie nach links durch. Sie schneidet dann die erste Vertikale am richtigen Ausgangs-pH. Diese Mühe ist jedoch entbehrlich, denn der ambulante Patient hat immer einen normalen pH-Wert des Blutes.


Eine Verschiebung des Koordinatenpunktes nach links (verminderte Pufferkapazität, aber normaler pH) bezeichnet man als latente Azidose. Das ist die häufigste in ambulanter Praxis anzutreffende Säure-Basen-Störung. Diese Zwischenstufe zwischen „kerngesund“ und „akuter Azidose“ wurde bislang nicht diagnostiziert, weil der Blutgasautomat, mit dem das möglich wäre, meist nur auf Intensivstationen zu finden ist. Je weiter der Punkt nach links wandert, desto näher kommt der Patient jenem Punkt, an dem die Pufferkapazität den pH nicht mehr unter Kontrolle halten kann, das Schutzsystem bricht plötzlich zusammen, der Patient stürzt in die akute Azidose ab. Der Koordinatenpunkt wandert nach links unten. Diese Entwicklung laufend zu kontrollieren und die Entgleisung rechtzeitig vorherzusehen ist insbesondere für Dialysestationen ohne Blutgasautomat von Bedeutung.


Eine Verschiebung nach links oben (Pufferkapazität vermindert, pH erhöht) deutet auf eine respiratorische Alkalose hin. Durch Hyperventilation wird zwar der pH-Wert des Blutes nach oben in die Alkalose verschoben, die Pufferkapazität aber ist dabei deutlich vermindert, weil mit jedem abgeatmetem H+-Ion auch ein basisches Molekül verschwindet ( H+ + HCO3- => H2CO3 => H2O + CO2 ). Das kann zur tödlichen Falle werden.


Eine Verschiebung nach rechts unten (PK vermehrt, pH abgesenkt) deutet auf eine respiratorische Azidose durch Hypoventilation hin, z.B. bei obstruktiven Lungenerkrankungen.Bemerkenswert: respiratorische Störungen verhalten sich Basen-paradox!! Alkalose mit Basenmangel, Azidose mit Basenüberschuss.


Eine Verschiebung nach rechts oben (PK vermehrt, pH erhöht) deutet auf eine metabolische Alkalose hin und zeigt sich allenfalls bei Intoxikationen mit Laugen.


Eine Verschiebung nach rechts bei normalem pH findet sich bei deutlich erhöhtem Hämoglobinspiegel oder einer Polyzythämie (möglicherweise beim Yeti, der auf dem Himalaya lebt).


Base excess

Die Klinik mit dem Blutgasautomaten gibt als Ergebnis ihrer Untersuchung den BE (base excess) aus. Das ist die Abweichung von einer erwarteten normalen Basenmenge von 24 mmol/L. Hat der Patient 22 mmol/L heißt das BE –2, bei 27 mmol/L heißt das BE +3.

Wirklich gemessen wird hier allerdings nur der CO2-Druck und der pH-Wert, die Basenmenge wird nach der Henderson-Hasselbalch-Gleichung errechnet. Es werden also nur – wie der Name „Blutgasautomat“ auch sagt - die „flüchtigen“ Säuren gemessen und folglich auch nur die entsprechenden Basenmengen erfasst. Streng genommen gibt der BE nur die halbe Wahrheit wieder. Folgerichtig liegt unser Vollblut-Normwert auch nicht bei 24 sondern 48 mmol/L


Da der Blutgasautomat grundsätzlich nur im Plasma und nicht im Vollblut misst, ist ein Vergleich auch nur mit unserer Plasma-Pufferkapazität möglich. Da bei unserer Titration nicht nur die flüchtigen sondern alle Basen erfasst werden, liegt das erwartete Plasma-Normergebnis auch nicht bei 24 sondern bei 28 mmol/L. In einer Vergleichsreihe beider Messverfahren hat sich gezeigt, dass die Rechnung Pufferkapazität Plasma minus 28 dem klinischen base excess entspricht (PKPl – 28 = BE). Diese Rechnung ist nur nötig, wenn man das Ergebnis der Bestimmung der Pufferkapazität nach unserem Verfahren mit einem vorliegenden klinischen BE vergleichen will.


Hämoglobin

Der Intrazellulär-Puffer ist direkt abhängig vom Hämoglobingehalt, da Hämoglobinat ein wirksamer Puffer ist. Eine verringerte iz-PK kann also auf eine Blutarmut, eine erhöhte auf eine Polyzythämie zurückzuführen sein.


Der Anteil der vom Hb-Gehalt herrührenden PK errechnet sich nach der Formel


Hb-Pufferkapazität = Hb (g/L) * 3

-------------------

16


Beispiel: der erwartete Normwert der PK geht von einem Hb-Wert von 151 g/L = 15,1 g% aus. Hat also der Patient nur 90 g/L (9 g%) Hb, dann mindert sich die Vollblut- und intrazelluläre PK um 61/16*3 = 11,4 mmol/L


Vertrieb jetzt:

Eu-Ru Med GmbH

Juliusmarkt 3

38300 Wolfenbüttel

Tel. 05331 859402

Fax 05331 859403