Hans-Heinrich Jörgensen  
Das anstrengende Kind und Schüßlers Biochemie 
(Auszug aus dem Buch Greta Hessel "Das anstrengende Kind") 

Schüßlers Biochemie, das ist die Therapie mit homöopathisch aufbereiteten Mineralsalzen, die vor 130 Jahren von dem Oldenburger Arzt Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler in die Humanmedizin eingeführt wurde, und die heute weltweit in naturheilkundlichen Kreisen als sanfte Möglichkeit der Selbstmedikation gilt. Viele Eltern von Problemkindern haben mit den richtig angewandten Mineralien positive Erfahrungen gemacht. In der Tat sind nicht selten Störungen in der Versorgung mit den lebenswichtigen Mineralien oder Gleichgewichtsverschiebungen im Zellstoffwechsel die Ursache von Fehlfunktionen. Funktionsmittel nannte Schüßler darum auch diese Salze. 

Um aber keine falschen Erwartungen zu wecken sei unmissverständlich voran geschickt, dass die Schüßlerschen Funktionsmittel nur dann etwas am Verhalten des Kindes ändern können, wenn dessen Probleme auf eben solche Funktionsstörungen zurückzuführen sind. Pädagogische Probleme lassen sich nicht mit Medikamenten lösen, und seien die Medikamente noch so harmlos - oder noch so hochwirksam! 

Die von der Autorin des Buches (Greta Hessel) geprägte Definition "das anstrengende Kind"  gefällt mir ungleich besser als all jene von der "Phosphatallergie" bis zur "ADHS" wechselnden Begriffe, die uns suggerieren wollen, auffällige Verhaltensmuster seien krankheits- oder stoffwechselbedingt, und die richtig gewählte Pille würde spornstreichs alles zum Guten wenden. Wer auch immer versuchte, das Problem von der Krankheitsebene in den Bereich der Pädagogik herunter zu holen, sah sich heftigen Angriffen ausgesetzt, denn wer lässt sich als Vater, Mutter oder Lehrer schon gern in Frage stellen? 

Trotzdem sage ich es, wohl wissend, damit den Zorn aller Problemkindseltern auf mich zu lenken: manch "hyperaktives Kind" verhält sich völlig normal und nervt damit seine hypoaktiven Eltern. Und manch kindlicher Protest gegen langweiligen Unterrichtsstoff, der von ebenso gelangweilten Lehrern noch langweiliger vorgetragen wird, ist allzu verständlich. 

Ehe wir also nach der richtigen Pille suchen, sollten wir uns sehr kritisch fragen, ob wir denn immer das richtige Maß an Zuwendung und Distanzierung, an Freiraum und Begrenzung, an Lob und Tadel, an Selbständigkeit und Führung, an Nachgiebigkeit und Konsequenz, an Ja-Ja und Nein-Nein gefunden haben. 

Und ehe wir nach der richtigen Pille suchen, müssen wir sehr kritisch die Frage stellen, ob es denn überhaupt die Pille sein muss. Auch die vom Wirkstoff her harmlose homöopathische, biochemische, phytotherapeutische Pille birgt die Gefahr in sich, im Bewusstsein des Kindes und der Eltern Weichen falsch zu stellen, nämlich die Vorstellung zu wecken und zu verfestigen, man könne alle Unbill des Lebens mit einem Pharmakon aus der Welt schaffen. Eine Vorstellung, die sich bereits verhängnisvoll in unserer Gesellschaft breit gemacht hat. 

Seit wir entdeckt haben, dass man die Freisetzung von Transmittersubstanzen im Gehirn, z.B. Dopamin oder Serotonin, nach Belieben vermehren oder vermindern kann, und damit die nervlichen Informationsübertragungen verändern kann, fummeln wir mit diversen Chemikalien in den Gehirnen herum, dass es einen graust. Da macht es auch keinen Unterschied, ob die Chemikalie aus der Retorte oder aus der Pflanze stammt. 

Den Unruhigen dämpfen wir, den Antriebslosen hellen wir auf, den Ängstlichen enthemmen wir...... und verlernen dabei, dass man Probleme lösen muss, dass man Trauer verarbeiten muss, dass man Misserfolge einstecken muss, dass man Ungerechtigkeiten ertragen muss, oder sich dagegen wehren muss. Und das ganze gilt für das Kind wie für den Erwachsenen. 

Bei jeder medikamentösen Therapieempfehlung, auch der biochemischen, fürchte ich wie der Teufel das Weihwasser, eben jene Weiche falsch zu stellen. Hat sich erst die Vorstellung verfestigt, dass es nicht der fehlende Freiraum - oder auch die fehlende Begrenzung dieses Freiraumes - ist, sondern eine ominöse Krankheit oder Ernährungsstörung, dann ist die Versuchung groß, in dieser Richtung weiter zu suchen. Und wenn denn das Schüßlersche Mineral doch nicht das bringt, was man sich erhofft hat, dann könnte man es ja vielleicht einmal mit jenem hochgelobten und zugleich verteufelten Amphetaminabkömmling versuchen, vor dessen zunehmender Anwendung inzwischen sogar schon die Bundesregierung warnt. Und dieses Gleis führt dann geraden Wegs weiter zu den Designerdrogen der Disco, zum schnellen joint oder zum Dauergebrauch unterschiedlichster Psychopharmaka, schlimmsten Falls auch zum "goldenen Schuss" auf der Bremer Bahnhofstoilette. 

Wenn es denn aber eingedenk all dieser Bedenken doch der Versuch mit dem biochemischen Mineralsalz sein soll, dann drängen sich zwei Elemente in den Vordergrund: Kalium und Magnesium. 

Kalium ist das Kernelement für die neuromuskuläre Stabilität. Das sogenannte Ruhepotenzial der Nerven, das ist die Fähigkeit, einen unnützen Impuls auch einmal an sich vorüber gehen zu lassen, wird durch die Kaliumkonzentration im Inneren der Nervenzellen bestimmt. Im Inneren der Nerven- und auch Muskelzellen ist das elektrisch positiv geladene Kalium-Kation rund 40mal höher konzentriert als in der Umgebung drum herum. Und ständig versuchen die Kalium-Ionen durch die Zellwand nach außen zu drängen, um einen Konzentrationsausgleich zu schaffen. Dieser Auswärtsstrom hält das Ruhepotenzial aufrecht. Je niedriger der Kaliumgehalt der Zelle - aber auch je höher die Kaliumverteilung in der die Zelle umspülenden Flüssigkeit - ist, desto schwächer das Ruhepotenzial, desto instabiler die neuromuskuläre Erregbarkeit. Zappelphilipp ist da! 

Wie kommt es aber zu einer solchen mangelhaften Kaliumversorgung? Das Wörtchen Kalium haben schon die Ärzte im alten Arabien geprägt. Lange vor den Römern und Griechen gab es dort eine hohe Medizinkultur. Arabisch "al kali" heißt auf Deutsch Pflanzenasche. Schon damals hat man den Nutzen der Pflanze für den funktionierenden Stoffwechsel und Säure-Basen-Haushalt erkannt. Kalium aus der Pflanze stabilisiert die Nerven und macht das Blut alkalisch, das Gegenteil von sauer. Wer nervlich stabil ist reagiert auch nicht mehr so schnell sauer! 

Die Schlussfolgerung ist ganz einfach: mehr Pflanzen und weniger Eiweiß, sprich Fleisch, Ei und Milchprodukte, sollten in der Ernährung sein. Eine Beobachtung, die viele aufmerksame Eltern längst gemacht haben, auch wenn sie es nicht erklären konnten. 

Der Gegenspieler vom Kalium ist Natrium, das wir in Form des offen benutzten und in vielen Fertigspeisen zudem versteckten Natiumchlorid, auf deutsch Kochsalz, in viel zu großer Menge verzehren. Auch schon Kinder, denn welchem kid schmecken die pommes schon ohne Salz und Ketchup? Natrium erzeugt das Gegenteil vom Ruhepotenzial, nämlich das Aktionspotenzial, das die Nerven anspringen lässt. Ist das Gleichgewicht zwischen Natrium und Kalium gestört, sinkt das Ruhepotenzial. 

Schüßlers Biochemie hält drei Kaliumsalze vor: Kaliumchlorid, Kaliumphosphat und Kaliumsulfat. Natürlich hat jedes dieser Salze seinen besonderen Wirkungskreis, der sich aus dem am Kalium hängenden Verbindungspartner ergibt, z.B. Kaliumchlorid bei den Störungen des Wasser- und Saure-Haushaltes, Kaliumphosphat immer dann, wenn ein zusätzliches Energieangebot für Herz und Kreislauf erwünscht ist und Kaliumsulfat, wenn das anstrengende Kind durch Hautprobleme noch anstrengender wird. Geht’s aber allein um die Nervenstabilität kommt es nur auf's Kalium an. 

Nun muss unser Kalium aber hinein in die Nervenzelle, damit es wieder heraus drängen kann, denn erst dadurch entfaltet es seine Wirkung. Die Pumpe, die ständig Kalium in die Zelle hinein und Natrium aus der Zelle heraus befördert, braucht wiederum, damit sie funktioniert, Magnesium. Und damit das heraus drängende Kalium sich nicht allzu schnell davon macht, dichtet Calcium die Zellwand ab. 

Wie man sieht, genügt die isolierte Betrachtung eines einzelnen Minerals nicht. Das Gleichgewicht muss stimmen. Darin liegt das Geheimnis der hohen Wirksamkeit der doch in so winzigen Mengen zugeführten Schüßler-Salze. Die winzige Menge des einen sorgt für die richtige Verwertung des anderen. 

Wenn denn aber auf Grund dauerhafter Ernährungsfehler oder gewichtiger Versorgungslücken wirklich große Mengen an Mineralien fehlen und stofflich zugeführt werden müssen, arbeite ich gern und mit guten Erfolgen mit den Neukönigsförder Mineraltabletten®, einem Produkt, in dem alle lebenswichtigen Mineralien und Spurenelemente zusammengefasst sind, und dass vor dreißig Jahren aus einer Praxisrezeptur von mir entstanden ist. 

Aber lassen Sie mich im Schlusssatz noch einmal auf den Anfang verweisen: die erste Frage ist nicht die nach dem richtigen Medikament, sondern nach dem richtigen Maß an Liebe, Zuwendung und Führung.  
 

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