Hans-Heinrich Jörgensen  
Osteoporose - der Preis für's älter werden

Schön, dass wir nicht mehr mit Zwanzig am Kindbettfieber sterben müssen, oder mit Achtzehn im Kugelhagel eines Schützengrabens. Aber dass wir Achtzig werden dürfen oder mehr hat seinen Preis, nämlich der Wandel vom jugendlichen Adonis zum gebeugten Greis. Zwar versucht die Medizin, in die Rolle der Priesterschaft zu schlüpfen - wenn denn nicht ewiges Heil, dann zumindest unbegrenztes heil sein - und suggeriert uns, man könne durch allerlei Tinkturen und Pflästerchen die jugendliche Dynamik und Schönheit ewig bewahren. Eine Illusion, die sich zur riesigen Geldumverteilungsmaschine entwickelt hat. 

Vielleicht können wir hier und da etwas verbessern, verzögern, aber alt werden geht zwangsläufig mit einer Reihe leidiger Veränderungen einher. Schüren wir nur kräftig genug Ängste vor diesen unabdinglichen Veränderungen, schmieren wir obige Maschine. Eines dieser Schreckgespenster ist die Osteoporose, die sich trefflich dazu eignet, mit Knochendichtemessungen Ängste und Abhängigkeiten zu erzeugen und die "Notwendigkeit" einer Östrogensubstitution zu begründen. 

So wichtig und so wissenschaftlich, wie die Densitometrie sich auch gibt, sie ist beides nicht! Drum wird sie auch von den gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr bezahlt, es sei denn nach einer Fraktur. Das verkündete Ergebnis "78% der normalen Knochendichte" krankt daran, dass es diese normale Dichte garnicht gibt. Darum ist die Knochendichtemessung zur Diagnose einer Osteoporose auch denkbar ungeeignet. Lediglich zur Verlaufskontrolle kann sie einen Sinn machen, weil mit der Erstuntersuchung ein Vergleichswert entsteht, an dem man sich zukünftig orientieren kann. Als Argumentationshilfe zur Östrogen-Verordnung ist die Densitometrie aber offenbar sehr hilfreich. 

Natürlich ist die Osteoporose keine Östrogenmangelkrankheit. Wäre es so, müssten ja alle Männer im Rollstuhl herumfahren. Von allen Faktoren, die am Knochenauf- und abbau beteiligt sind, kommt dem Östrogen gerade 'mal ein Anteil von ungefähr 5% zu. Dafür sind aber 70% aller Brustkrebse hormonrezeptoreninduziert, das heißt, sie werden durch Östrogen angeheizt. Und wenn man sich die übrigen Kontraindikationen und Nebenwirkungen im Beipackzettel anschaut, bleibt unverständlich, mit welcher Chuzpe jeder klimakterischen Frau ein Östrogen-Pflaster "auf's Auge gedrückt" wird. 

Der Versuch, auch noch einen Kreislauf-Vorteil durch Östrogen zu beweisen, ist kläglich gescheitert. Eine Studie mit über 16 000 Frauen musste vorzeitig abgebrochen werden, weil die behandelten Frauen doppelt so oft an Lungenembolien erkrankten, und Schlaganfälle und Herzinfarkte im Übermaß eine Fortführung der Studie unmöglich machten. 

Es ist nicht unüblich, dass wir in der Medizin Kehrtwendungen von 180 Grad machen. Vor nicht allzu langer Zeit haben wir die klimakterischen Beschwerden und die Osteoporose nicht mit dem weiblichen Hormon Östrogen sondern mit Androgenen, den männlichen Hormonen verwandten Stoffen, behandelt. Mit durchschlagendem Erfolg - nicht für die Osteoporose, sondern für die Firmen Siemens und Braun, die danach einen Damenrasierappparat kreierten, und zum Leidwesen aller Kirchenchöre, die seitdem keine Sopranstimmen mehr finden. 

Die Osteoporose ist ein Substanzverlust des Knochens, in erster Linie ein Calciumverlust. Das ist ein natürlicher Vorgang, der sich zwar verzögern lässt, aber ebenso wie das Alter nicht aufhalten lässt. Die Röhrenknochen, z.B. das Schienbein,  werden auf Beklopfen schmerzhaft, was diagnostisch aussagekräftiger ist, als jede Knochendichtemessung. Die Oberschenkelhälse sind bruchgefährdet, ebenso die Deckplatten der Wirbelkörper, die nach vorn hin immer mehr abflachen. Die bucklige Hexe aus den Abbildungen des Märchenbuches ist das typische Bild der fortgeschrittenen Osteoporose. 

Die Grimmsche Märchen-Hexe aus "Hänsel und Gretel" allerdings bekam diese Figur erst, als aus der Spinnstubengeschichte mit Lebensweisheiten für Heranwachsende das Kindermärchen wurde. Jene "Hexe", die den pubertierenden Hänsel (von sich) gefangen nahm, ihn im Ofenloch "garen" (reifen) wollte, und an seinem (Finger-)Glied den Fortschritt prüfte, hatte sicherlich eine andere Figur. Honi soit qui mal y pense - Ein Schelm, der Arges dabei denkt. 

Das menschliche Skelett wiegt etwa 7 kg, auch beim Übergewichtigen, der immer den "schweren Knochenbau" anschuldigt. 1,5 kg davon sind reines Calcium, eine beträchtliche Reserve, die zur Verfügung steht, um vorübergehende Mängel im Blut, die zur Tetanie führen und mit dem Leben nicht vereinbar sind, sofort auszugleichen. Führen wir uns nicht nur vorübergehend, sondern ständig zu wenig Calcium zu - und Ernährungsstudien bescheinigen das - dann zehren wir ein ganzes Leben lang von dieser mit dem Abschluss der Pubertät aufgebauten Reserve. Es ist ein Rechenexempel: fehlt von den 1000 mg, die wir täglich brauchen, nur 5%, also 50 mg, dann haben wir in 40 Jahren fast die Hälfte unserer Calciumspeicher verbraucht. Eben darum beginnt auch die Osteoporose irgendwo zwischen 50 und 70, und nicht wegen des Klimakteriums. 

Dass Kortikoide zu einer massiven Entkalkung des Knochens beitragen, ist inzwischen Allgemeingut geworden. Ich erinnere mich einer 55jährigen Patientin, die wegen einer "antirheumatischen" Kortikoidtherapie mit zwei eingebrochenen Deckplatten der Wirbelkörper stationär eingeliefert werden musste. Sie wurde als dauerbettlägriger Pflegefall wegen der schweren Osteoporose entlassen. Mit Bewegungsübungen, Reiztherapie und Calcium konnten wir sie wieder gehfähig machen. Der Vorfall liegt über 20 Jahre zurück und die Patientin kann heute noch - mehr schlecht als recht - ihrem Haushalt vorstehen. 

Jede Hausfrau weiß, dass man mit Essig- oder Salzsäure die hässlichen Kalkflecken von der Badezimmerarmatur entfernt. Mit einer zu sauren Ernährung erweist man seinem Skelett den gleichen - diesmal unerwünschten - Dienst. Man löst Calcium heraus. Zuviel Eiweiß in der Ernährung kann als gesicherter Übersäuerungsfaktor gelten. Saure Antirheumatika, ASS und einige andere saure Medikamente, die teilweise in Megadosen  als äußerst wundersam für das Immunsystem gepriesen werden, natürlich auch. 

Die vielen Säurewerttabellen über Nahrungsmittel, die durch unsere Literatur geistern, können Sie alle vergessen. Sie lassen sich nahtlos zurückverfolgen auf eine Untersuchung von Ragnar Berg im Jahre 1912, veröffentlicht in der "Chemiker-Zeitung". Damals allerdings definierte man den Säurebegriff anders als heute. Heute gilt als Träger der Säure das dissoziierte H+-Ion (Broenstedt-Theorie 1923). Zu Ragnar Bergs Zeit galten Kationen als Basen und Anionen als Säure (Arrhenius-Theorie). Berg hat damals die gängigen Kationen und Anionen in den Nahrungsmitteln bestimmt. Die Tabellen fußen also alle auf einer überholten Theorie. Zudem waren die Untersuchungen unvollständig, denn wären Kationen und Anionen in einem Nahrungsmittel nicht ausgeglichen, dann würde es auf dem Teller qualmen, zischen, leuchten oder gar explodieren, es wäre chemisch hoch reaktiv. Essen würden wir es kaum! 

Auf ähnlich missverstandenen Untersuchungen beruht die nicht aus den Köpfen zu bringende Vorstellung, Getreide würde säuern. Richtig ist, dass das kaliumreiche Getreide entsäuert. Und da diese ausgeschiedene Säure im Urin auftauchte, hat man fälschlicherweise aus dem Urintest geschlossen, Getreide würde säuern. Wir lassen uns nur allzu leicht durch richtige Beobachtungen, die wir falsch interpretieren, in die Irre führen. 

Zur Therapie gehört also - genau wie bei der Arthrose - die Vermeidung sauer machender Fehler in der Ernährung und Therapie. Zum Entsäuern wiederum ist Kalium unentbehrlich, weil Kalium (Biochemisches Funktionsmittel Nr. 4, 5 und 6) im Zellinneren und im Bindegewebe gespeicherte Säuren freisetzt und damit erst der Nierenelimination preisgibt. Damit aber die Niere Säure optimal ausscheiden kann ist wiederum das Spurenelement Zink (Biochemisches Ergänzungsmittel Nr. 22) als Kern der Carboanhydrase nötig. 

Und natürlich muss auch Calcium (Biochemisches Funktionsmittel Nr. 2) sein. Man kann noch so gezielt mit Homöopathika an den Verwertungsmechanismen drehen, wenn kein Calcium in stofflich ausreichender Menge vorhanden ist, kann auch keines eingebaut werden. Drei Dosierungsebenen bieten sich an: niedere homöopathische Potenzen können bei kleinen Mängeln ausreichen. Bei einer bereits vorhandenen Osteoporose empfehlen sich Dosierungen, die dem Bedarf in etwa entsprechen oder zumindest das Nahrungsangebot aufstocken. Extrem hohe Dosierungen können zum Bumerang werden, wenn ihnen die zum Einbau in das Skelett nötigen Partner-Mineralien fehlen. 

Die obligatorische Empfehlung, viel Milch zu trinken, ist ein zweischneidiges Schwert. Milch enthält zwar viel Calcium, sogar verwertbares, aber eben auch viel Eiweiß, und damit wird der Nutzen wieder zunichte gemacht. 

Auch auf Silicea (Biochemisches Funktionsmittel Nr. 11) sollte man nicht verzichten. Auch hier hat Schüßler schon vor 125 Jahre den engen Zusammenhang zum Bindegewebe postuliert, von der Medizin lange ignoriert und verlacht. Eine recht junge Studie der kalifornischen Universität San Diego belegt mittlerweile, dass die Matrix, nach der der Körper Knochen und Knorpel strukturiert, von Silicea abhängig ist. 

Ein Wort pro domo sei erlaubt: alle erwähnten Mineralen sind auch in den Neukönigsförder Mineraltabletten® enthalten, die - wie die meisten Leser ohnehin wissen - vor fast 30 Jahren "auf meinem Mist gewachsen" sind.

Die Kalkverbindung im Knochen ist eine Calciumfluoridphosphat-Verbindung. Die Fluor-Spuren darin härten den Knochen. Auch das wusste schon im vorvorigen Jahrhundert der Oldenburger Arzt Dr. Schüßler. Die biochemische Nummer 1, Calciumfluorid in einer D12, reichte lange Zeit zur Härtung von Knochen und Zähnen aus. Inzwischen hat die Schulmedizin das Thema aufgegriffen und therapiert die Vorschulkinder zur Kariesprophylaxe und deren Urgroßmütter zur Osteoporoseprophylaxe beide mit dem gleichen Zeugs, Natrium- oder Calciumfluorid, allerdings in einer der homöopathischen D3 - D2 entsprechenden Konzentration, also zehntausendmillionenmal höher dosiert, als in der Biochemie. Das bewegt sich zumindest hart am Rande der Toxizität. Jeder Schmied weiß: härtet man den Stahl zu sehr, dann bricht er. "Glück und Glas...." auch. Moderne Untersuchungen belegen, dass die Frakturrate bei mit hoch dosierten Fluoriden behandelten Osteoporosepatienten höher liegt als bei unbehandelten. Erstes Warnsignal einer Überdosierung sind Schmerzen an den Sprunggelenken. 

Fluor in Reinform ist ein hoch toxisches Endprodukt der Aluminiumproduktion, die einträchtig vereint um die Elbmündung herum angesiedelt ist. Den Abfall einfach durch ein langes Rohr in die Nordsee laufen lassen, geht nicht. Aber auf dem Umweg über die Hamburger Kindergärten gelangt es nun ganz legal dort hin. 

Das Bemühen, eine breite Kariesprophylaxe durch die Fluoridierung des Trinkwassers zu erreichen, ist glücklicherweise gescheitert. Der nächste Schritt wäre wahrscheinlich gewesen, das ebenso weit verbreitete Valiummangelsyndrom ebenfalls über's Trinkwasser zu bekämpfen. 

Jüngstes Kind der Schulmedizin sind die Bisphosphonate, die ursprünglich gegen den Morbus Paget oder Knochenmetastasierungen zugelassen waren, inzwischen aber auch in die Osteoporosetherapie drängen. Die Bi-, Bis- oder Diphosphonate hemmen zwar den Knochenabbau, leider aber ebenso den Knochenaufbau. Die normalerweise außerordentlich stoffwechselaktive Knochensubstanz wird "kristallisiert" und verliert damit seine An- und Abbau-Aktivität. Einmal eingesetzte Biphosphonate bleiben noch Jahre nach der Behandlung aktiv, die Therapie kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. 

Das nicht ganz korrekt als Vitamin D3 bezeichnete Hormon Cholecalciferol trägt dazu bei, Calcium in die Knochen einzubauen und gehört ebenfalls zu den therapeutischen Säulen. 

Der wichtigste und physiologische Reiz jedoch, der dem geschluckten Calcium den Weg in den Knochens zeigt, ist die Belastung des Knochens auf Zug, Druck, Dehnung, Drehung, also die Bewegung. Der gebrochene und gegipste Arm des 18jährigen Handballspielers ist in kurzer Zeit osteoporotisch und ebenso schnell wieder calcifiziert, wenn der Gipsverband runter ist, und der junge Mann wieder Handball spielt. Natürlich kann man der 90jährigen Urgroßmutter mit der durchgemachten Oberschenkelhalsfraktur kein Trampolinspringen verordnen, wohl aber sorgfältig dosierte Bewegungsübungen. Gipsbett und Stützkorsett sind Krücken und Ausdruck der therapeutischen Resignation, schaden aber durch die Ruhigstellung mehr, als sie nützen. 

Bewegung ist elementarer Teil des Lebens. Und wenn es uns gelingt, den alten, kranken, resignierten Arthrose- oder Osteoporosepatienten aus der Hoffnungslosigkeit, aber auch aus unnötiger Angst zu befreien und wieder am Leben teilhaben zu lassen, akzeptierend, dass das hohe Alter auch seinen Preis hat, dann hat sich's gelohnt.