Hans-Heinrich Jörgensen  
Krebs - was nun, was tun?

"Messer oder Mistel?" mit dieser Frage wird der Naturarzt und "Der Naturarzt" immer wieder konfrontiert. Dahinter verbirgt sich die bange Frage, ob sich das Schreckgespenst Krebs denn nicht auch etwas sanfter als mit eingreifenden Operationen, zerstörenden Strahlen oder der gefürchteten Chemotherapie vertreiben lässt. Und dahinter wiederum steht die Furcht, Abschied nehmen zu müssen. Dabei ist die Diagnose "Krebs" schon längst kein sicheres Todesurteil mehr. Etwa die Hälfte aller diagnostizierten "bösartigen" Erkrankungen werden heute kurativ behandelt, das heißt geheilt. Von der Schulmedizin - mit Hilfe der Naturheilkunde. Beide gehören zusammen. Ernsthafte naturheilkundliche Krebstherapeuten verstehen ihr Tun darum auch nicht als alternativ sondern als komplementär zur Schulmedizin. 

Die Naturheilkunde setzt bei allem was sie anbietet auf die Verbesserung der Immunlage. Eigentlich sind wir alle Krebspatienten, denn in der abermillionenfachen Zellteilung, die jede Minute in unserem Körper abläuft, entsteht ständig Krebs. Ein wundersamer Reparaturmechanismus erkennt und korrigiert das. Klappt das nicht, zerstört die entartete Zelle sich selbst. Und klappt auch das nicht, kann sie sich teilen und irgendwo ansiedeln, dann fallen die Fresszellen über sie her, und vernichten sie. Und erst, wenn auch das nicht klappt, weil das Immunsystem gerade einmal unaufmerksam oder geschwächt oder therapeutisch unterdrückt war, dann erst wird aus der Zellteilungspanne Krebs. Noch hat das Immunsystem, wenn es denn geweckt und gestärkt wird, und zum Angriff bläst, eine Chance. 

Aber es muss sich sputen, denn der missratene Zellhaufen verdoppelt sich mit jeder Teilungsrate, 2, 4, 8, 16 - kennen Sie die Geschichte von den Weizenkörnern auf dem Schachbrett? Nach der 13. Teilung, also bei etwa 2 hoch 13 Zellen (oder rund Zehntausend) ist die Immunabwehr nach menschlichem Ermessen überrundet, vielleicht ist deswegen die 13 die Unglückszahl. Aber erst nach der 30. Teilung, also bei 2 hoch 30 Zellen (oder rund einer Milliarde), wiegt der Tumor etwa ein Gramm und wird tast-, spür- oder sichtbar. 

Wir erkennen ihn also erst, wenn ein noch so intaktes Immunsystem es nicht mehr allein schaffen kann. Daran ändern auch die Berichte von gelegentlichen Spontanheilungen selbst großer Geschwülste nichts - zumal die meisten dieser Berichte mit vielen und großen Fragezeichen versehen sind. 

Daraus folgt, dass ein solider Tumor immer unters Messer gehört. Die Stärke der naturheilkundlichen Ergänzung liegt in der Vorbereitungsphase zur Operation und in der Nachbehandlung. Je besser das Immunsystem, desto geringer das Risiko, dass etwa verbliebene Restzellen wieder wuchern oder wandern. 

Immer unters Messer? Fast immer! Eine Ausnahme hat mich schon als ganz junger und eifriger Heilpraktiker eine alte Dame gelehrt: fast 90 Jahre, altersschwach und bettlägerig, aber ohne sonderliche Beschwerden, zufrieden mit ihrer Tochter unter einem Dach lebend, bat sie um eine Allgemeinuntersuchung. Dabei stellte sich ein großer harter Tumor im Bauchraum heraus. Wie die Katze um den heißen Brei herum redend veranlasste ich eine Klinikeinweisung "zur weiteren Abklärung" und war stolz ob meiner Sorgfalt und Entdeckungskunst. Zwei Tage später war aller Stolz verflogen und tiefer Beschämung gewichen, denn ich fand die alte Dame auf der letzten Seite der Lokalzeitung wieder, schwarz umrandet. Ich hatte sie nicht nur unters Messer gebracht sondern auch ans Messer geliefert. Wie lange hätte sie wohl noch einträchtig mit ihrer Tochter leben können, bis sie still an Altersschwäche eingeschlafen wäre? Mit ihrem Krebs, nicht an ihrem Krebs. Die Ausnahme heißt also: wenn in dem Wettlauf zwischen Krebswachstum und natürlicher Lebenserwartung die Chance besteht, dass der Krebs zu Lebzeiten gar keine Probleme bereitet, dann ist es barmherziger abzuwarten, als alle Register diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen zu ziehen. 

Und die zweite Ausnahme lehrt uns die Statistik: Die Pathologen, also jene, die bei gegebener Veranlassung Verstorbene sehr genau unter die Lupe nehmen müssen, sagen, dass nur 0,4% aller Prostata-Carcinome, die sie finden, auch klinisch relevant waren. Das bedeutet, von 250 Prostatakrebsen macht nur einer dem Träger zu Lebzeiten Beschwerden. Ich denke, auch das ist ein guter Grund, gelassen abzuwarten. Es war der inzwischen verstorbene Chirurg Julius Hackethal, der den Prostatakrebs mit drei Tieren hinter einem Maschendrahtzaun verglich: Die Schildkröte, die das Gatter nie verlässt, der Hase, der unberechenbar springen kann, wenn er will, und der Vogel, der längst davon ist, wenn wir ihn entdecken. Sehr bildhaft macht das deutlich, dass es auch beim Krebs der Prostata langsam wachsende Formen ohne großes Risikopotenzial gibt, unberechenbare Formen und leider auch solche, die trotz noch so früher Entdeckung den Patienten dahinraffen. Die Lehre: nicht jede PSA-Erhöhung (ein Tumormarker) muss gleich zur Operation führen - und je älter der Mann, desto weniger. 

Tumormarker sind bestimmte nachweisbare Stoffe im Blut, die auch von gesundem Gewebe ausgeschickt werden, bei unkontrolliertem Wachstum des Gewebes jedoch bestimmte Normgrenzen überschreiten. Ein erhöhter Wert allein sagt noch überhaupt nichts, erst der kontinuierliche Anstieg über mehrere Kontrollen hinweg gilt als Alarmsignal. Die gängigsten Tumormarker: CEA (Carcinoembryonales Antigen) beim Magen- und Darmkrebs, PSA (prostataspezifisches Antigen) beim Prostatakrebs. Aber ehe ein erhöhter Wert Panik verursacht: Bei Rauchern und nach Alkoholgenuss steigt der Wert an, jede Ejakulation treibt das PSA für 2-3 Tage hoch, und die rektale Tastuntersuchung auch, wenn sie vor der Blutabnahme erfolgt, ebenso wie der Weg per Fahrrad(sattel) zur Untersuchung. 

Es war auch Hackethal, der vor der Feinnadelbiopsie warnte. Das Anstechen eines unklaren Tumors zum Gewinnen einer Gewebsprobe gibt zwar diagnostische Sicherheit über den Charakter des ertasteten Tumors, birgt aber auch das Risiko einer Zellausstreu in sich. Vor jeder diagnostischen Maßnahme, Tastbefund, Biopsie, Mammographie, und vor jeder Operation gebe ich meinen Patienten hohe Calciumgaben, weil Calcium die Zelladhäsion, das Aneinanderhaften von Zellen verbessert und damit das Metastasenrisiko mindert. 

Fraglos hat die Kunst der Chirurgen großen Anteil an der hohen Heilungsrate. Sie schneiden ja nicht wild drauf los, sondern präparieren ein böses Gewächs sorgfältig heraus, nachdem sie zuvor jene Abflusswege, auf denen ausreißende Zellen sich davon machen könnten, abgeklemmt haben. Ihre Arbeit gelingt um so sicherer, je früher ein Krebs in ihre Hände kommt. Darum wird auch die Früherkennung propagiert, die oft etwas hochtrabend als Vorsorge bezeichnet wird. Eine sinnvolle Früherkennung betreibt am besten jener Patient, der weiß, wie man's macht und worauf man achten muss. Zum Beispiel beim Darm auf auffällige Veränderungen des Stuhlverhaltens, der Stuhlbeschaffenheit und des Stuhles selbst. Der Haemoccult-Test auf verstecktes Blut kann hilfreich sein, aber nur wenn es richtig gemacht wird. Drei Tage vorher fleischlos leben, und keine Zähne putzen, weil die Spuren von Blut, die dabei möglicherweise in den Darm gelangen, falschen Alarm auslösen. 

Auch die Eigenuntersuchung der Brust, die mehr Nutzen bringt als flächendeckende Mammographieprogramme, muss richtig gemacht werden, und zum richtigen Zeitpunkt. Der ist bei fruchtbaren Frauen eine Woche nach der Menstruation. Jede Frau kennt ihre "Drüsenlandschaft" besser als der beste Arzt. Ohnehin werden 40% aller Brustkrebse von den Frauen selbst entdeckt. Die Selbstinspektion beginnt mit dem Betrachten, erst im Liegen, dann vor dem Spiegel im Stehen, erst mit hängenden und dann mit hoch erhobenen Armen. Danach wird die Brust eingecremt und sorgfältig abgetastet. Keine Panik: 75% aller Knoten sind harmlose und nicht behandlungsbedürftige Zysten, Fett- oder Bindegewebsgeschwülste. Verdächtig ist jedoch alles, was sich von mal zu mal verändert, was schmerzt, was größer wird, was die Brustwarze einzieht. Das allerdings sollte durch eine Mammographie abgeklärt werden. Dazu aber bitte keinen Deostift verwenden. Einige haben strahlenundurchlässige Grundstoffe. 

Nicht sinnvoll ist jedoch die flächendeckende Mammographie-Aktion, die unsere Politiker beschlossen haben, und bei der alle Frauen von einem bestimmten Alter ab einmal jährlich geröntgt werden. Namhafte Krebsforscher verweisen darauf, dass von 1000 Frauen, die 10 Jahre lang regelmäßig mammographiert werden, eine einzige einen Nutzen durch die frühere Erkennung hat. Dafür wird aber mindestens eine andere von den Tausend durch die Strahlenbelastung zusätzlich an Krebs erkranken. Aber das kann unsere Politiker nicht von ihrem Aktionismus abhalten. 

Auch die anderen Früherkennungs-Reihenuntersuchungen stützen ihre Erfolgsmeldungen vornehmlich auf statistische Spielereien. Es ist richtig, dass mehr Patienten die statistisch gebräuchliche Überlebenszeit von 5 Jahren von der Entdeckung an überleben. Aber nicht, weil sie am Ende länger gelebt hätten, sondern weil die Erkennung früher lag. Falsch positive Befunde mit manchmal fatalen Folgen verschlechtern die Nutzenabwägung weiter. Gerade erst wurde einem Patienten 100 000,- DM Schmerzensgeld zugesprochen, weil ihm die Prostata unnötigerweise entfernt wurde. 

Wirkliche Vorsorge ist mehr als frühe Erkennung, nämlich Ursachenforschung, die bei uns dem Kaffeesatz-Lesen gleichkommt. Solange wir uns gegen ein flächendeckendes umfassendes Krebsregister wehren, werden wir auch über Verdachtsmomente nicht hinaus kommen. Auf der Verdachtsliste anderer Länder stehen als Krebsverursacher z.B. so häufig genutzte Substanzen wie Bitumen, Hormone, Selen, Tamoxifen, Cholesterinsenker, Antibiotika. Und um aus einer angeblich so preiswerten, jedoch  hochgefährlichen Stromerzeugung auszusteigen, brauchen wir 35 Jahre. Den Hauptverursacher von Krebs aber kennen wir sehr genau und ignorieren ihn trotzdem: jeder dritte Krebs wird durch Rauchen - auch passiv - erzeugt. Während bei Männern die Zahl der Raucher abnimmt, ist sie bei Frauen im Steigen begriffen. Bei Frauen hat inzwischen der Lungenkrebs den Brustkrebs überholt. 

Die beste Vorsorge ist ein intaktes Immunsystem. Und da das Immunsystem sehr von der psychischen Verfassung abhängig ist, weisen die Neuropsychoimmunologen, ein neuer Forschungszweig, zu Recht darauf hin, dass der depressive Patient eine schlechtere Immunlage hat. Der Patient, der mit seiner Krankheit "nicht fertig wird", hat ein größeres Rezidiv-Risiko. 

Nicht nachzuvollziehen ist jedoch die "eiserne Regel des Krebses" von Gerd Ryke Hamer, jenem ehemaligen Arzt, der vor einigen Jahren das Kind mit dem Wilson-Tumor nach Spanien entführte und längst seine Approbation verloren hat. Danach soll jedem Krebs - je nach Organ - ein bestimmter seelischer Konflikt ursächlich zu Grunde liegen. Eine verhängnisvolle und zerstörerische Theorie. Wer Hamers Buch aufmerksam gelesen hat, wendet sich mit Grausen ab. Kein ernsthafter Vertreter der biologischen Medizin nimmt diese These mehr ernst. 

"Was tun?" steht im Titel. Es ist für mich keine Frage: mit den obigen Ausnahmen unters Messer. Dabei ist keine hektische Eile geboten. Es bleibt genügend Zeit, das Immunsystem auf die Operation vorzubereiten. Echinacea, Mistel, evt. Thymus, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, seelische Stabilisierung, alles, was der Immunstärkung dient, ist angezeigt. In dem Zusammenhang stellt sich immer wieder die Frage: Ist der Krebs eine lokale Erkrankung auf Grund einer zufälligen Zellentgleisung, oder ist der Krebspatient in seiner Ganzheitlichkeit erkrankt, bleibt er Risikopatient, bedarf der er der dauernden Kontrolle und Nachbehandlung? Letzteres postulieren wir gerne in unserer naturheilkundlichen Denkweise. Ich gebe zu, als Betroffener könnte ich besser mit der These von der lokalen Entgleisung, die nach der Operation "Schnee von gestern" ist, leben. 

Viele Frauen mit Brustkrebs scheuen die Operation, die ja heute keineswegs immer zum Verlust der Brust führen muss. Sie haben Angst, keine "richtige Frau" mehr zu sein, ihre Begehrlichkeit zu verlieren - oder den Mann. Das Model Matuschka hat mit ihrer Fotokampagne "Beauty out of Damage" zur Entdämonisierung beigetragen und deutlich gezeigt, dass die Erotik nicht allein an der Brust hängt. Und wenn jemand wegen der fehlenden Brust den Mann verliert, dann war dieser Verlust wohl auch nicht so groß. 

Nach der Operation gibt es einen Befund vom Chirurgen und vom Pathologen. Der sieht etwa so aus: "pT3 pG2 pN12/0 M0". Sie möchten das deuten: Das kleine p besagt, der Befund ist postoperativ, nach der Operation, erhoben und hat Hand und Fuß. T1-3 steht für die Größe, dieser hatte also schon stolze Ausmaße. G1-4 steht für den Grad der Bösartigkeit, bei diesem ging's noch. N12/0 bedeutet, es wurden 12 Lymphknoten (Nodula) mit entfernt, aber glücklicherweise wies keiner Krebszellen auf. Und M0 oder M1 sagt, ob bereits Fernmetastasen vorhanden sind, hier nicht. 

Dieser Befund ist natürlich von riesiger Bedeutung für die Frage, wie es nach der Operation weiter geht. Das sollte immer sehr undogmatisch unter 6 Augen zwischen dem Onkologen, dem Naturarzt und dem Patienten diskutiert werden. Der obige Befund "N0 M0" machte keinerlei Nachbehandlung nötig, es sei denn aus der Befürchtung der ganzheitlichen Gefährdung eine Immunstärkung. Stehen jedoch keine Nullen hinter N und M, dann stellt sich die Frage: Chemotherapie, Bestrahlung oder gibt es Alternativen. 

Wir sollten uns hüten, dogmatisch aus einer chemofeindlich-biofreundlichen Lebenshaltung heraus die Chemotherapie zu verteufeln. Sie ist kein Zuckerschlecken, wenngleich durch bessere Kombinationen und Dosierungserfahrungen heute etwas erträglicher. Aber rechtfertigt gerettetes Leben nicht Erbrechen und Haarausfall? Bei der Leukämie, insbesondere der kindlichen, hat die Chemotherapie hohe Heilungsraten zu verzeichnen, beim kleinzelligen Bronchialcarcinom mäßige, bei anderen Formen immerhin eine Linderung der Schmerzen und eine Verzögerung des Prozesses, jedoch kaum Heilungen. Kurativ nennen wir die heilende, adjuvant die unterstützende, palliativ die lindernde Therapie. 

Hinter dem Begriff "Chemo" verbergen sich zwei unterschiedliche Prinzipien: bei  hormoninduzierten Tumoren kann die Gabe von Antihormonen das Wachstum bremsen, also beim Manne Mittel, die gegen Testosteron wirken, bei der Frau gegen Östrogen. Immerhin werden 60-70% aller Brustkrebse durch Östrogen angeheizt, was durch den fragwürdigen 5%igen Nutzen bei der Osteoporose sicher nicht aufgewogen wird. Das typische Anti-Östrogen ist das ursprünglich aus der Eibe gewonnene Tamoxifen, das allerdings bei langfristiger Anwendung selbst auch wiederum Krebs erzeugen kann, und von dem neue Studien sagen, es sei wahrscheinlich nicht wirksamer als ein Placebo. 

Das andere Prinzip ist die zytostatische oder auch zytotoxische Wirkung, mit der die Zellteilung und dadurch das Wachstum des Tumors verhindert werden soll, evt. auch eine Zerstörung von Krebszellen. Gleiches widerfährt allerdings auch den gesunden Zellen des Immunsystems, so dass der nach einer Antwort suchende Patient in einer Zwickmühle steckt. Die Entscheidung hängt sicher viel vom persönlichen Vertrauen in eine naturwissenschaftliche oder naturheilkundliche Denkweise ab. Niemand weiß im Nachhinein, wie es bei anderer Entscheidung gelaufen wäre. Es muss auch nicht immer eine alternative Entscheidung sein. Chemotherapie wirkt besser und ist bekömmlicher, wenn sie von naturheilkundlichen Maßnahmen, wie z.B. Mistel-Injektionen und/oder Überwärmung, begleitet wird. 

Für die zellzerstörende Bestrahlung gelten die gleichen Überlegungen. Je gezielter sie treffen, desto weniger "Kollateralschaden". Und für beides gilt immer wieder die Nutzen-Lasten-Abwägung, die weitgehend auch von der verbleibenden Lebenserwartung - alters- wie krankheitsabhängig - bestimmt wird. 

Mit großem Aufwand werden Krebsoperierte engmaschig nachuntersucht. Zu engmaschig, denn von den unmittelbaren Belastungen der Untersuchungen abgesehen, wird der Patient damit ständig auf's neue "krank gestempelt" und bekommt das Gefühl, immer unter dem Damoklesschwert des Wiederaufflackerns zu sitzen. Wenn wir nicht ganz sicher sind, ob denn ein kurativ Operierter wirklich kuriert ist, genügen zwei bis drei Kontrollen in den ersten zwei Jahren. Danach ist sein Risiko nicht größer als das eines jeden von uns. Den lediglich palliativ Operierten sollten wir besser verschonen, denn die ständige Verlaufskontrolle seiner weiterschwelenden Krankheit ändert an der schlechten Prognose nichts. 

Das Spektrum naturheilkundlicher Maßnahmen sollten wir nicht so sehr als alternatives Angebot sehen, das den Patienten in schwere Gewissenskonflikte stürzt, sondern eher als ergänzendes Angebot, mit dem seine Chancen gemehrt und seine Beschwerden gemindert werden. 

Im Vordergrund steht da die Mistel, jener auf Bäumen wachsende pflanzliche Schmarotzer, der in England als Weihnachtszweig dient und 1920 von dem Anthroposophen Rudolf Steiner als Krebsmittel kreiert wurde. Auch schulmedizinisch wurde die Mistel inzwischen erforscht und anerkannt. Ihre Inhaltsstoffe, Viscotoxine und Lektine, aktivieren und modulieren das Immunsystem, gespritzt mehr als geschluckt. Thymusextrakten wird ein ähnlicher Effekt zugeschrieben. Mit Überwärmung machen wir Krebszellen angreifbarer für andere Maßnahmen. Radikalenfänger wie Vitamin A, E und C, haben ihre Stärke eher in der Verhütung als in der Therapie von Krebs. Ein intakter Säure-Basen-Haushalt schützt vor Mutationen und bremst das Wachstum von Tumoren. 

Für alle Maßnahmen - klinische wie biologische - aber gilt, dass sie in die Hand des erfahrenen Therapeuten gehören und gezielt und maßvoll eingesetzt werden sollten. Zuviel Eifer schadet mehr als er nutzt. Verständlich, dass der Patient, der von einer Krankheit mit dem längst nicht mehr zutreffenden Nimbus der Unheilbarkeit betroffen ist, in seiner Betroffenheit nach jedem Strohhalm greift. Aber manch vorbei treibendes Rettungsfloß entpuppt sich als morsches Treibholz. das gilt insbesondere für jene Wundermittel, die regelmäßig durch die Yellow-Presse geistern, und nur geschäftstüchtigen Scharlatanen nützen (Bamfolin, Bérez-Tropfen, Petroleum, Rote Beete, Noni, SPES). 

"Vertrauen ist gut" - Ein bisschen Vertrauen in eine Medizin, die es schafft, miteinander zu reden und Gegensätzlichkeiten der Wissenschaftsanschauungen zu überwinden. Ein bisschen Vertrauen auch in die Fortschritte der Medizin. Vor allem aber ein bisschen Vertrauen in sich selbst  - und in die eigene Fähigkeit, auch mit einer schweren Krankheit fertig zu werden. 

Literatur beim Verfasser 

Medikamente:  
Mistel: Plenosol®, Iscador®, Cefalektin®, Helixor®  
Thymus: Thym-Uvocal®  
Vitamin C: Vitamin C-Injektopas®  
Spurenelemente: Neukönigsförder Mineraltabletten® mit Spurenelementen