Naturheilkunde - Herausforderung und Chance


Vortrag anläßlich der "Dresdner Tage derNaturheilkunde" 31.8.2001

von Hans-Heinrich Jörgensen 

  " N a t u r h e i l k u n d e  
            Herausforderung und Chance" heißt das heutige Thema 

Eigentlich sucht man mit meinen 68 Jahren ja nicht mehr so sehr die Herausforderung, sondern hat es lieber mit den genutzten Chancen.  
Aber ein Vortrag nur über die Chance, nach dem wir uns alle zufrieden auf die Schultern klopfen, und uns bestätigen, daß wir doch viel besser sind als der Rest der Welt, ist nicht so sehr meine Sache.  
Darum habe ich mir die Herausforderung als Teil des Themas ausdrücklich ausbedungen, denn ..... 

Die Naturheilkunde lebt nicht im Schongärtchen eines Klosters, sie ist dem Gesundheitswesen unseres Landes integriert,  
und der Wind weht ihr, wie dem gesamten Gesundheitswesen, kräftig um die Nase.  
Das Schlimme nur:  
wir haben hierzulande gar kein Gesundheitswesen, sondern allenfalls ein Krankheitserkennungs- und -reparaturwesen, das zudem unter dem Stichwort "Kostendämpfung" aus den negativen Schlagzeilen der Tagespolitik nicht herauskommt. 

In der Tat, Kostendämpfung ist das Gebot der Stunde,  
denn dieses von Bismarck installierte gesetzliche Krankenversicherungssystem, das dem von Krankheit geschlagenen armen Arbeiter zumindest Hunger und Not fernhalten sollte, ist derart ausgeufert, daß es akut vom finanziellen Kollaps bedroht ist. 

Rund 300 Milliarden DM  kostet uns die Krankheit - oder das, was wir dafür halten - jährlich. Wie krank und elend muß unser Volk doch sein, wenn vom Säugling bis zum Greis jederman hierzulande pro Jahr 6000,- DM Krankheitskosten verbraucht.  
 Nirgendwo in der Wirtschaft gibt es ein so seltsames Dreieckverhältnis, wie in unserem Kassensystem,  
in dem der Dienstleistungserbringer seine Rechnung nicht etwa dem Kunden präsentiert, der sie prüft, bezahlt oder zumindest abzeichnet,  
sondern einem Dritten, der Kasse, die sich wiederum jeden Ersten per Zwangsenteignung das Geld aus den Taschen ihrer Pflichtmitglieder zurückholt.  
Niemand der Beteiligten wird vom System zur Sparsamkeit erzogen, im Gegenteil, es korrumpiert und verleitet zur Ausbeutung und auch zum Betrügen. 

Mangels Transparenz - am Geldbeutel spürbarer Transparenz - fehlt auf der Patientenseite der finanzielle Anreiz, gesund bleiben zu wollen.  
Es bleibt zu fragen, warum den Menschen denn der natürliche Anreiz, gesund bleiben zu wollen, so sehr aus den Augen gekommen ist.  
Fast gilt es als schick, mit Krankheit zu kokettieren, aufwendig und wenig effektiv zu kuren, viele bunte Pillchen zu schlucken und regelmäßig fragwürdige Meßdaten kontrollieren zu lassen. 

Und da die offizielle Medizin ständig an den sogenannten Normwerten dieser Meßdaten herum fummelt, und den als gesund, natürlich und normal geltenden Raum zwischen Ober- und Untergrenzen dieser Normdaten immer enger faßt, stempeln wir auch immer mehr kerngesunde Menschen zu kontroll- und behandlungsbedürftigen Kranken. 

So hat die Hochdruckliga vergangenes Jahres die Obergrenze für den erlaubten Blutdruck auf 140 systolisch heruntergesetzt, und den erlaubten Cholesterin-Spiegel haben wir von einst 300 mg auf 175 mg/dl herunter diskutiert. Da bleibt keiner, der ein paar Wochen von der Konfirmation weg ist, mehr unbehandelt. 

Kranksein - eigentlich die Ausnahme - wird zur Regel.  
Gesund, fröhlich, unbeschwert, ohne Kopf-, Bauch oder Rückenweh, ohne tägliche Blutdruck-, monatliche Cholesterin- und jährliche Transaminasenkontrollen das Leben genießen, wird zur Ausnahme. 

Natürlich und heil bleiben ist ja des Wortes Naturheilkunde ureigenster Sinn. Das heißt aber auch, natürliche Dinge als natürlich hinzunehmen und zu akzeptieren. Und die natürlichste Sache der Welt ist, daß alle Medizin nicht ewiges Leben schenken kann. 

Und wenn sich in der modernen Medizin dann noch ein teuflischer Trend breitmacht,  
der nicht so sehr Krankheiten heilt,  
sondern Symptome lindert oder verschleiert,  
und das oft auf Kosten der Grundkrankheit, dann ist das eine besonders subtile Perversion der systembedingten Korrumption. 

Hier liegt einer der ganz wesentlichen Unterschiede zwischen Naturheilkunde und dem, was unter der Legitimation "Schulmedizin" oder "Lehrmeinung" - ganz neu: evidence based medicine - kritiklos landauf und landab nachgeahmt wird: 

Naturheilkunde - richtig verstanden - bremst nicht das brust-enge Herz mit Betablockern,  
sie zeigt Wege, die das Herze weit machen.  
Naturheilkunde zwängt nicht die Seele in die chemische Zwangsjacke Benzodiazepam,  
sie macht ihr den Rücken stark.  
Naturheilkunde unterdrückt nicht heilende Entzündungen mit Kortikoiden,  
sie heizt die immunbiologischen Abwehrmechanismen an,  
wo immer es geht. 

Sie therapiert nicht supressiv, lähmend, hemmend, betäubend, sie sucht nach der Ursache,  
ob diese nun von den geschwächten Abwehrkräften des Patienten oder von einer zerstörten Umwelt kommt.  
Ökologie und Naturheilkunde sind darum auch kaum voneinander zu trennen,  
wobei ich Ökologie nicht unbedingt mit einer bestimmten Parteifarbe gleichsetzen möchte.  
Zumal diese Farbe eine halbe Legislaturperiode die Gesundheitspolitik fest in ihren Händen hielt, und alle, die eine der Farbe entsprechende naturheilkundliche, grüne Medizinalpolitik erwartet haben, bitter enttäuscht hat. 

Naturheilkunde ist Kostendämpfung.  
Jede Krankheit, die nicht konserviert sondern kuriert wird, ist ein aktiver Kostendämpfungsbeitrag.  
Zudem sind die Ausgangsstoffe der Naturheilkunde - Sonne, Luft, Wasser, Bewegung und Pflanzen - mit Sicherheit billiger, als  
Diäthyltrimethylbetahydroxyalphatrichlormonohydrogenäthanol oder so ähnlich. 

Es liegt jetzt etwas mehr als 20 Jahre zurück, da hatten wir in Kiel, wo ich über 20 Jahre lang praktiziert habe, nach vielen Gesprächen den ungewöhnlichen Zustand herbeiführen können, daß die Ortskrankenkasse den Heilpraktikerpatienten zwar nicht die Behandlung, wohl aber die verordneten Medikamente erstattete.  
Zur Freude nicht nur der Patienten, sondern vor allem des AOK-Etatchefs, der uns nach zweijähriger Laufzeit dieser Maßnahme seine Überraschung in zwei Punkten kundtat:  
Man war erstaunt, wieviele Patienten den Heilpraktiker konsultieren,  
und man war hoch erfreut über den immensen Spareffekt dieser Maßnahme.  
Zum Leidwesen aller hat sich die AOK dem Druck anderer konkurrierender Kassen beugen müssen, und das Verfahren wieder eingestellt.  
 Wenn wir uns nun aber an den Versuch wagen, den Begriff "Naturheilkunde" zu definieren,  
dann kommen wir schnell in Bedrängnis.  
Wir alle, ob Ärzte oder Heilpraktiker, die wir das Schild "Naturheilkunde" an unserer Tür stehen haben, tun in der täglichen Praxis viele Dinge, die zwar hilfreich, nützlich, heilend und gar nebenwirkungsarm sind,  
aber beileibe nicht natürlich. Oder doch ? 

Wo ist die Abgrenzung ?  
Ist Natur nur das, was Mutter Erde uns freiwillig anbietet: Sonne, Wasser, Luft, Nahrung und auch therapeutisch wirksame Pflanzen, sowie den Raum uns zu bewegen ?  
Oder ist es auch noch Natur, wenn wir die Naturgesetze mit Hilfe der Naturwissenschaften ausnutzen, um gestörte Funktionsabläufe in unserem Sinne zu regulieren ? 

Ist allein die Benutzung des elektrischen Stromes schon wider die Natur ?  
Oder wo fängt die Sünde an ?  
Bei langen Wellen, kurzen Welle, Mikrowellen, Röntgenstrahlen oder bei strahlenden Substanzen ? 

Und was ist mit den Sonnenstrahlen, die  
 - selbst wenn sie sich hinter den Dauerregenwolken eines beständigen Tiefs verstecken -  
noch Leben spenden, bräunen, und der Hypophyse neben Frühlingsgefühlen heilende hormonale Impulse entlocken ?  
Wenn wir aber in Jumbojets scharenweise sonnenhungrige Sekretärinnen ins Urlaubseiland Lanzerote karren,  
wo sie sich auf dem Hotellattenrost kanzerogen grillen, während ein paar hundert Meilen ostwärts die gleiche Sonne die tödliche Sahelzone ausweitet, und niemand das Geld hat oder gibt, um mit den gleichen Jumbojets die EG-Überschüsse zu den dort verhungernden Kindern zu bringen ....? 

Oder ist es noch Natur, wenn wir in unseren Praxen einen kläglichen Abklatsch der Sonne, sortierte UV-A-, B- oder C-Strahlen verkaufen ? 

Oder die Bewegung.  
Von sinnvoller Arbeit wage ich gar nicht zu sprechen, obwohl auch das ein heilsames Therapeutikum sein kann.  
Was uns der mühsam erkämpfte Gabelstapler abgenommen hat, reagieren wir nun teuer im fitness-Studio ab. 

Aber Sport, Spiel, Spazieren, besser Wandern,  
z.B. bei Sturm und Regen auf dem Deich. Was meinen Sie, wie das die Seele wäscht.  
Aber was ist aus der Sportbewegung teilweise geworden ? Profitorientierter Professionalismus, der jugendliche Hochleistungsathleten zu frühen Krüppeln macht.  
Und wo bleibt die Natur, wenn der Infarktrehabilitant seine verordnete Bewegung wattmesserkontrolliert auf dem Hometrainer gegen die Schlafzimmertapete abstrampelt ? 

Diät:  
Es ist Naturheilkunde, wenn wir deutlich machen, daß Überernährung aus Hunger nach Vitalstoffen entsteht, an denen unsere Alltagskost jämmerlich verarmt ist,  
und wenn wir zur Vollwertkost und folgerichtig zur Mäßigung raten.  
Aber ist es noch Naturheilkunde, wenn wöchentlich obskure Cholesterinkontrollen unsinnige Angst verbreiten, zum fragwürdigen Wohl der Margarineindustrie, die ihren großen Prozeß gegen die Butter verloren hat ?  
Und um den Umsatz von Lipidsenkern anzukurbeln, die millionenfach zu Muskelschmerzen führen, mindestens 52 mal zum Tode, und die unaufhaltsam unser Grundwasser verseuchen. 

Ist es noch Natur, wenn wir den Odem der Natur, zweimolekularen Sauerstoff,  
mit hochfrequentem Strom in dreimolekularen verwandeln, in Ozon oder Singulett-Sauerstoff - ein klassisches Sauerstoffradikal ? 

Wenn es aber erlaubt ist, Moleküle nicht nur nativ zu mischen, sondern sie auch beliebig zu verändern, indem wir Elemente beliebig aneinanderketten, wo steht dann das Schild: "Sie verlassen den Sektor der Naturheilkunde !" ? 

Beim 3-Desoxy-3-oxo-L-gulonsäure-y-lacton  (Vitamin C)  
oder erst beim  
7-Chlor-1,3-dihydro-1-methyl-5-phenyl-2H-1,4-benzodiazepin-2    (Valium) ? 

Am deutlichsten wird die Problematik der Abgrenzung und Definition im Bereich der Phytotherapie, Beispiel Fingerhut. 

Es war das klassische Muster angewandter Naturkenntnis, als ein Kräuterweib erkannte, daß der Fingerhut Wasser treibt. Durch einen aufgebrühten Tee die Wirkstoffe herauszuziehen, bot sich an.  
Und es ist sicher auch noch Naturheilkunde, wenn der Apotheker das in seinem Offizin tut,  
selbst dann noch, wenn aus dem Offizin inzwischen ein pharmazeutischer Betrieb geworden ist.  
Wann aber werden wir mißtrauisch und wittern die böse Pharma-Industrie - bei 3 oder bei 300 Mitarbeitern ? 

Wenn nun kluge Köpfe herausfinden, daß die Diurese nach dem Fingerhut durch die Kräftigung des Herzmuskels entsteht,  
und wenn man die unterschiedliche Löslichkeit und Wirksamkeit der Fingerhut-Inhaltsstoffe Digoxin und Digitoxin erkannt hat, und um der gezielten Anwendung willen diese Reinstoffe trennt,  
dann kommen wir zumindest schon in Grenzbereiche.  
Und wenn es schließlich gelingt, diese Reinstoffe analytisch aufzuschlüsseln und synthetisch in industriellem Rahmen nachzuahmen,  
dann spätestens wird uns die Schwierigkeit der Abgrenzung bewußt. 

Wenn hier die Grenze überschritten wurde,  
warum ist das Zusammenmischen etlicher von der Natur einzeln geschaffener Pflanzen zu einem therapeutischen Cocktail dann aber natürlicher als das Entmischen bis hin zur Monosubstanz ? 

Sie sehen, die Begriffsbestimmung und Abgrenzung ist problematisch und wir sollten sie frei von Dogmen versuchen. 

Die klassischen Säulen der Naturheilkunde -  
Sonne, Wasser, Luft, Bewegung, Nahrung und Pflanze -  
sind unbestritten und ungefährdet.  
Niemand wird sie abschaffen wollen, niemand sie unserer Anwendung entziehen.  
Dort aber, wo wir selbst diesen Bereich verlassen,  
verwandeln wir grundsätzliche Unterschiede in nur noch graduelle.  
Wir geben den moralischen Anspruch auf, schärfste Kontrollen der chemisch orientierten Pharma-Industrie zu verlangen, und zugleich unbeschränkten Freiraum für das eigene Tun. 

Außerhalb der klassischen Schutzzone "Natur" unterliegen wir den gleichen Kontrollmaßnahmen und -maßstäben wie andere,  
und das ist gut so.  
 Es sollte deutlich geworden sein, daß Naturheilkunde und "Schulmedizin", was immer dieses sein mag,  
keine Gegensätze sind. 

Die Naturheilkunde ist kein illegitimes Kind der Schulmedizin - im Gegenteil, sie ist ihre Mutter.  
Mit angewandter Natur fing jede Medizin an.  
Erst das neugierige Fragen "warum ?", "wie ?", "womit ?" und "wie macht man's besser ?" führte zu immer diffizilerer Analyse, zu immer kühnerer Synthese, zu immer feinerer Technik,  
schaffte immer besseres Wissen, wurde also zur Wissenschaft. 

Und auch das ist gut so.  
Wer wollte auf den Segen einer hochentwickelten Medizin ernsthaft verzichten, selbst wenn sie hin und wieder über die Stränge schlägt ? 

Auch wenn hier und dort ein eifrig Wissen schaffender eifernder Wissenschaftler sich seiner biederen Mutter Naturheilkunde schämt, sie kann gelassen drüber lächeln.  
Das ist bei unreifen Kindern so üblich.  
Es wird darum keinen Muttermord geben.  
Im Gegenteil, die Naturheilkunde erlebt im Bewußtsein der Bevölkerung und im Anwendungsrepertoire der Ärzte eine Renaissance sondergleichen.  
Kaum ein Arzt, der nicht auch regelmäßig zu naturheilkundlichen Mitteln und Methoden greift.  
Die junge Ärzte- und Studentengeneration verlangt lautstark nach fundierter Ausbildung hierin.  
Und die Adresse der anthroposophisch ausgerichteten Universität in Herdecke hat einen hervorragenden Klang. 

Sonne, Wasser, Luft, Ernährung und Phytotherapie sind die Säulen der Naturheilkunde.  
Das muß nicht, und das darf auch nicht verstaubt und ewig gestrig sein.  
Im Gewand von heute vorgestellt, in der Sprache von heute dargelegt, und mit den Möglichkeiten von heute untersucht und belegt, ist das eine Therapie von heute - und ganz sicher auch von morgen.  
 So wenig ich eine Abgrenzung der Naturheilkunde zur Schulmedizin für möglich und nötig halte,  
so dringlich notwendig scheint sie mir zu dubiosen Außenseitermethoden, wobei die Betonung auf dubios liegt. 

Nicht nur die Naturheilkunde, die ganze Medizin lebt von und mit Außenseitermethoden.  
Viele inzwischen sicher etablierte Anwendungen haben ihren Weg als Outsider begonnen.  
Sie haben Anerkennung gefunden, weil sie sich der kritischen Auseinandersetzung gestellt haben,  
weil sie bereit waren, sich mit allgemein anerkannten wissenschaftlichen Maßstäben messen zu lassen,  
weil sie diese Prüfung bestanden haben.  
Für viele steht dieses "bestanden" derzeit noch aus,  
was sie nicht weniger gesellschaftsfähig macht. 

Dubios aber ist eine Methode, die sich dieser Auseinandersetzung entzieht oder die bereits durchgefallen ist, und die nun unter die breiten Fittiche der Naturheilkunde schlüpft, um sich darunter vor kritischen Blicken zu verstecken,  
oder um unverdienterweise am guten Ruf der Naturheilkunde zu partizipieren. 

Die Naturheilkunde ist gut beraten, wenn sie sich nicht unbesehen mit jedem obskuren Humbug solidarisiert und wenn sie Scharlatanerie auch Scharlatanerie nennt. 

Sind wir aber überzeugt, einen verkannten Edelstein entdeckt zu haben, dann genügt es heute nicht mehr, sich auf den gängigen Satz "Wer heilt, hat recht !" zu berufen.  
Dann sind wir dazu aufgerufen, den Edelstein unter die Lupe zu nehmen,  
ihn ins helle Licht zu rücken, und ihm zu dem magischen Prädikat "wissenschaftlich allgemein anerkannt" zu verhelfen, das wie ein "Sesam öffne Dich" die Kassen der Kassen und Beihilfestellen öffnet.  
 Es ist ja nicht so, daß diese Wissenschaft eine verschworene Mafiagesellschaft ist, die alles Neue ignorant und bösartig ablehnt.  
Auch bestimmt nicht irgend eine graue Eminenz, was richtig und falsch, was gut und böse ist. Jedenfalls noch nicht. 

Wissenschaft ist zutiefst heterogen, pluralistisch, vielschichtig und vielseitig, offen für jedermann, der neue Erkenntnisse einbringen will.  
Zugegeben, manchmal allerdings nur sehr widerstrebend offen. 

Es ist ein langer Weg, bis eine gute Botschaft zur Kenntnis genommen wird.  
Und sie muß schon überzeugende Argumente haben, wenn die Kruste aus Überheblichkeit, aus Bequemlichkeit, aus "das-war-schon-immer-so"-Mentalität, aus Abwehrhaltung der auf falschem Wege Ertappten durchbrochen werden soll. 

Diesen mühseligen Weg mit allen Diskussionen und Streitgesprächen, mit Widerständen, Protesten und Ignoranz, mit zerpflückt werden und der Lächerlichkeit preisgegeben, mit unerwarteter Hilfestellung und schließlich schmaler, breiter werdender und endlich breiter Anerkennung...... diesen Weg muß jede neue und jede Außenseitermethode gehen. 

Dieser Weg ist schwerer denn je geworden.  
Nicht nur, daß die Fülle bedruckten Papiers die Informationswege des Systems verstopft und wichtige Informationen dem mit Papier und Oneline-Bytes überfluteten, diagonal lesenden Wißbegierigen einfach verborgen bleiben - schlimmer:  
unsere schmucke Tochter Wissenschaft ist in permanenter Gefahr, sich zu prostituieren. 

Immer mehr Redaktionsbeiträgen, auch in unseren naturheilkundlichen Zeitschriften, gebührt die Überschrift "bezahlte Anzeige". Klinische Studien riechen nach der statistisch signifikanten Korrelanz zwischen dem Erfolg des getesteten Medikaments und der Höhe des Honorars.  
Und hundert Publikationen von 20 honorigen - und gut honorierten - Professoren, die auf Korfu an einem Firmen-Symposion, zu deutsch Trinkgelage, teilhatten, vermögen nachhaltig die Lehrmeinung zu formen und zu verformen. 

Wie auch immer: von diesem schwierigen Feld kann auch die Naturheilkunde sich nicht schmollend in das stille Refugium eines Klostergärtchens zurückziehen, wir müssen es mit bestellen, auch wenn der Acker steinig ist, und manch mühsam gelegtes Saatkorn nicht aufgeht. 

Hüten wir uns davor, jede Kritik als Verfolgung zu nehmen, und schläfriges Desinteresse als gezielte Unterdrückung.  
 Man kann nicht über die Naturheilkunde sprechen, ohne ein Wort über Verhältnis der Ärzte zu den Laienbehandlern zu verlieren.  
Hervorragende Ärzte haben der Naturheilkunde Impulse gegeben: Hufeland, Hahnemann, Schüßler. 

Aber neben ihnen haben auch immer wieder Laien, Nichtärzte, Menschen, die aus eigener leidvoller Erfahrung unkonventionelle Wege fanden, das ihre dazugegeben, die Naturheilkunde zu bereichern:  
der Bauer Prießnitz, der Fuhrmann Schroth, der Pfarrer Kneipp und der Handweber Bilz hier aus Radebeul - heute hießen sie Heilpraktiker. 

Es gibt kein Land der Welt, in dem nicht neben dem regulären Heilberuf, den Ärzten, Menschen aus dem Volke heilend tätig sind, teils sanktioniert, teils stillschweigend geduldet, teils verfolgt.  
Gesundheit ist ein zu hohes Gut, als daß man den Menschen helfende Hände vorenthalten könnte,  
nur weil sie kein Diplom in diesen Händen tragen. 

Deutschland hat dieses Problem trefflich mit dem Heilpraktikergesetz gelöst, um das uns andere Länder beneiden.  
Nur der eingetragene Verein, der sich Bundesärtekammer nennt, ohne eine Kammer zu sein, verlangt stereotyp die Abschaffung der angeblichen Kulturschande Heilpraktiker.  
Niemand nimmt das ernst, außer einigen unbedarften Heilpraktikerfunktionären, die jedesmal aufs neue verschreckt reagieren. 

Wir müssen uns nur hin und wieder vor Augen halten, welchen riesigen Freiraum wir genießen, ohne daß der Heilpraktiker ein Beruf im Sinne des Berufsbildungsgesetzes mit staatlicher Zugangsregelung ist. 

Die wenigen einschränkenden Gesetze habe ich nie sonderlich als Behinderung empfunden.  
Ich habe jedenfalls nie das dringende Bedürfnis gehabt, Pest und Pocken zu kurieren, Backenzähne oder Babies zu ziehen. Und mit dem frei verfügbaren Arzneischatz bin ich stets gut hingekommen. 

Ich kann auch nicht finden, daß dieser Freiraum durch sekundäre Medizinalgesetze sonderlich eingeschränkt wird.  
Im Gegenteil, der Freiraum ist größer und sicherer geworden, als wir uns vor 40 Jahren hätten träumen lassen. 

Heilpraktiker dürfen wieder Nachwuchs ausbilden,  
das mußte im Westen nach dem Kriege zunächst durch alle Prozeßinstanzen erkämpft werden. Sie hier haben noch 30 Jahre länger warten müssen.  
Heilpraktiker dürfen röntgen, wenn sie den Strahlenschutz beherrschen,  
sie dürfen MTA's beschäftigen und inzwischen unangefochten injizieren.  
Ihre Rechnungen werden von privaten Krankenkassen, Beihilfestellen und dem Finanzamt anerkannt.  
Heilpraktiker werden bei allen einschlägigen Gesetzesvorhaben in Bonn gehört,  
und nicht selten folgt man ihrem Rat. Und sie wirkten in etlichen Kommissionen des BfArM am Nachzulassungsverfahren mit. 

Die Überprüfungsrichtlinien für die Heilpraktikerzulassung haben inzwischen ein einheitliches Gesicht bekommen. 

Was jedoch darüber hinaus derzeit von einigen Splittergruppen gefordert wird, nämliche ein gesetzliches Berufsbild mit staatlichen Ausbildungs- und Prüfungsrichtlinien,  
ist sehr problemgeladen.  
Und wenn wir nicht auf der Hut sind, schleppen wir selbst die Betonblöcke herbei, mit denen wir unseren Freiraum zumauern. 

Wenn nämlich der Staat von der sehr liberalen Gefahrenabwehr-Überprüfung des Heilpraktikeranwwärters  
zu einer reglementierten und diplomierten Wissensprüfung übergeht,  
dann kommt er in Zugzwang, unsere Privilegien dem Niveau dieser Wissensprüfung entsprechend zu beschneiden.  
Eine staatlich geregelte Ausbildung und Prüfung,  
die wesentlich unter dem Level der ärztlichen liegt,  
birgt die Gefahr einer Einschränkung unserer Tätigkeitsfelder in sich. 

Aus dem gleichen Grunde kann es auch die von manchen beruflichen Newcomer geforderte Heilpraktiker-Kammer und Zulassung zu den RVO-Kasse nie geben. 

Hätte jemand diese feste Integration des Heilpraktikers vor 40 Jahren prophezeit, er wäre ausgelacht worden.  
Wir sollten uns darum nicht als ewig Verfolgte sehen.  
Das ständige Klagen in der Öffentlichkeit schadet mehr als es nutzt. 
Etwas mehr Selbstbewußtsein und Optimismus stünde uns gut zu Gesicht. Und für das Selbstwertgefühl braucht es weder Titel noch Urkunden. 

Das Selbstwertgefühl lebt mehr von vollen Wartezimmern.  
Und - dieser Wermutsropfen sei heute nicht verheimlicht - die wirtschaftliche Entwicklung bereitet manchen Kollegen große  Sorge. 

Rezession, Arbeitslosigkeit, abflauende "Gesundheitswelle", Ärzteschwemme, Zuwendung vieler Ärzte zur Naturheilkunde, Zunahme der Heilpraktiker,  
all das zwingt selbst manch etablierten Heilpraktiker in die Knie.  
Für junge Kollegen wird es nicht leichter, Fuß zu fassen und die Anfangsschwierigkeiten durchzustehen.  
Die Fluktuation in diesem Beruf ist groß. 

Folglich ist auch die Versuchung groß,  
mit lauter, sprich unlauterer Werbung das eigene Stück vom kleiner werdenden Kuchen zu vergrößern.  
Der zu Recht erhobene mahnende Zeigefinger unserer Berufsverbände bewirkt bei den Marktschreiern wenig,  
hält aber manch seriösen Kollegen von wirksamer PR-Arbeit für die Sache der Heilpraktiker und der Naturheilkunde ab,  
um sich nicht dem Verdacht der Praxiswerbung auszusetzen. 

Public-relation-Arbeit für die Sache der Naturheilkunde aber ist nötig. 

Werbung für die Sache - ja !  
Werbung für die Praxis - nein !  
Es sei denn, durch solide, ehrliche, beharrliche Arbeit am Patienten. 

Manchen lauten Kollegen ist leider die schnelle Mark wichtiger als der treue Patient.  
Sie wringen die armen Patienten, die sich dorthin verirren, in einer Weise aus, daß diese ein für alle mal kuriert sind - von Heilpraktikern.  
Wenn Kranken- und Beihilfekassen restriktiver verfahren, dann haben wir das diesen Kollegen zu verdanken. 

Eine solide Praxis kann man nur aufbauen, wenn man Maß hält. Wichtiger, als die Einnahme von heute, ist,  
daß der Schwager vom Neffen des Nachbarn des zufriedenen Patienten morgen,  
und seine Kinder in sieben Jahren zur Behandlung kommen. 

Das aber setzt eine sorgfältige Ausbildung voraus.  
Die Möglichkeit haben Sie inzwischen hier in Dresden. 

Wolkige Weltbilder können nicht profunde Kenntnisse der  
Naturwissenschaften ersetzen.  
Aber dort, wo die naturwissenschaftliche Medizin an ihre Grenzen stößt, da beginnt die Legitimation der Outsider. Nicht statt - sondern darüber hinaus.  
 Der Heilpraktiker ist nicht vom Gesetz, wohl aber von seiner Tradition der Naturheilkunde verpflichtet.  
Dort ist er unbestritten und ungefährdet.  
Je mehr er sich von seiner angestammten Domäne,  
der klassischen Naturheilkunde entfernt,  
desto mehr fordert er Kontrollen und Kritik heraus. 

Ein Wort noch zu den Auswirkungen des Arzneimittelgesetzes auf die Naturheilkunde. 

Ein Gesetz, das uns nun seit 23 Jahren auf der Seele und schwer im Magen liegt,  
das erst 12 Jahre Zielvorgabe hatte,  
danach 11 Jahre verschleppt wurde  
und nun im Schweinsgalopp vollstreckt werden soll. 

Ein Gesetz, daß eigentlich Selbstverständlichkeiten fordert, nämlich: 

   daß in der Flasche auch drin ist, was drauf steht,  
                           (Qualitätsnachweis)  
   daß die Arznei auch tut, was der Waschzettel verspricht,  
                        (Wirksamkeitsnachweis)  
   und daß die Medizin einen nicht hinterrücks umbringt.  
                        (Unschädlichkeitsnachweis) 

Ich kann ein Lied davon singen, wie wir in den Sachverständigenkommissionen um ausgewogene Kriterien für diese Nachweise gerungen haben 
und von der federführenden Behörde, dem Bundesgesundheitsamt,  
in unserer relativ liberalen Entscheidungsweise immer mehr eingeengt wurden,  
bis man diese Kommissionen dann einfach aufgelöst hat. 

Es ist ein kaum begreifbares, unser Rechtssystem erschütterndes Phänomen, daß jede Erleichterung und Liberalisierung, die der Gesetzgeber zum Erhalt der Naturheilkunde in das Arzneimittel-Gesetz eingebaut hat,  
auf dem langen Weg vom Parlament über das Gesundheitsministerium und Bundesgesundheitsamt bis hin zum Arzneimittelinstitut schließlich in ein neues Erschwernis umgewandelt wird. 

Alle Welt weiß, daß insbesondere viele naturheilkundliche Medikamente die unendlich hohe Latte des Wirksamkeitsnachweises  
und den ganz tief und versteckt gespannten Stolperdraht der Gefahrenabwehr nicht meistern können. 

Die Zulassungserleichterungen für "traditionelle Therapieformen", mit denen das Parlament die mild wirkenden Phytopharmaka retten wollte,  
versteht das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte,  
abgekürzt BfArM, was nichts mit Erleuchtung zu tun hat, so:  
Wenn denn traditionell angewandte Arzneimittel einen erleichterten Wirkungsnachweis erbringen dürfen, dann prüfen wir doch zunächst einmal, was denn nun eigentlich "traditionell" heißt - und dann bleibt Aspirin und Hansaplast auf der Liste.  
Zwar hat man das Amt in seiner Arroganz zurückgepfiffen,  
aber trotzdem haben von 20 000 Arzneien, die auf dieses Rettungsfloß gehofft haben, ungefähr 1000 diese Erleichterung bekommen.  
 

Erklärtes Ziel - so der oberste Beamte im Gesundheitsministerium - ist es,  
von einst 135 000 Präparaten schlußendlich 1 500 zu erhalten. Und dieser Weg wird "erfolgreich" beschritten. 

Mit formalen Spitzfindigkeiten und akribisch-restriktiver Prüfung, wie sie vielleicht für punktuell hochwirksame Medikamente wie z.B. Lipobay angemessen wären, schießt man ein naturheilkundliches Produkt nach dem anderen ab.  
Man meint, den Verbraucher schützen zu müssen  
vor seiner eigenen Dummheit, mit der er glaubt, ein Medikament ohne amtliches Wirksamkeitszeugnis könne bei ihm vielleicht doch etwas nützliches bewirken. 

Vor 8 Wochen ist eine Liste von knapp 5000 Arzneien im Bundesanzeiger veröffentlicht worden,  
die sofort ihre Verkehrsfähigkeit verlieren,  
und noch einmal gut 5000, die nach einer zweijährigen Galgenfrist vom Markt verschwinden müssen.  
Verkehrsfähigkeit verlieren, heißt verboten.  
Das kann man dann nicht mehr kaufen - auch nicht auf eigene Kosten. 

Kosten - das ist die nächste Klippe, auf die der Wind, der der Naturheilkunde entgegen weht, inzwischen schon ein veritabler Sturm, unser Schiffchen zutreibt.  
Sie lesen es täglich in der Zeitung, die Krankenkassen haben kein Geld mehr und müssen sparen.  
Jeder politische Hinterbänkler sieht sich im Sommerloch aufgerufen, irgendwelche unausgereiften Vorschläge zu machen, wie immer weniger Arbeiter immer mehr Kranke finanzieren können. Die Rechnung kann so nicht aufgehen, und darum nennt sich die Ortskrankenkasse jetzt ja auch "Gesundheitskasse" -  
weil es sich nur noch für Gesunde lohnt, da drin zu sein. 

Wir brauchen eine grundlegende Änderung dieses Krankenversicherungssystems, das inzwischen mit Solidarität nicht das geringste mehr zu tun hat.  
Oder ist es etwa solidarisch, wenn die 630-Marks-Putzfrau Krankenkassenbeitrag von ihrem Mini-Lohn bezahlen muss, ohne jedoch dafür auch versichert zu sein ?  
Und ist es solidarisch, wenn die kinderlose Frau Gemahlin des Abteilungsleiters ohne einen Pfennig Beitrag vollen Versicherungsschutz genießt?  
Ohne mit der Wimper zu zucken bezahlt diese Solidaritätsgemeinschaft dem bayergläubigen 88jährigen sein völlig sinnloses Lipobay® mit monatlich 184,70 DM, verweigert dem Naturheil-Fan aber sein Korodin® für 7,40 DM. 

Die unauflösliche Finanznot dieses Systems werden wir weder durch eine Chipkarte, die den Patienten gläsern macht, lösen, noch durch die Pflicht, den Hausarzt zu fragen, ob ich wohl zum Urologen darf -  
und auch nicht, indem ich dem Hausarzt vom Honorar kürze, was er dem Patienten nach Meinung der Kasse zuviel verordnet hat. 

Und schon gar nicht, wenn ich alle naturheilkundlichen Arzneien aus der Kassenfähigkeit heraus katapultiere.  
"Umstrittene Arzneien" nennen die Kassen jene Medizin, die nicht oder noch nicht einen naturwissenschaftlich-rationalen Wirkungsnachweis erbracht haben. Also vorwiegend unsere Arzneien!  
Und sie bilden sich ein, sie würden 7 Milliarden Mark jedes Jahr sparen, wenn die nicht mehr auf Kassenrezept verordnet werden dürfen. In Wirklichkeit wird es dadurch nicht billiger sondern teurer - was belegt ist. 

Die Gmünder Ersatzkasse hat in einer Auswertung ihrer Daten festgestellt, dass 14% aller Verordnungen auf sogenannte "umstrittene Arzneien" fallen, aber nur 7% der Kosten.  
Das heißt, diese Arzneien sind nur halb so teuer in der Anwendung,  
würden also nur noch "umstrittene Arzneien" verordnet, ließen sich die Arzneikosten halbieren.  
Ein Zahlenspiel - ich weiß!  
 Wer ist schuld?  
Es ist nicht die böse Mafia,  
auch nicht irgend eine graue Eminenz, die im Hintergrund die Fäden zieht,  
es ist auch nicht die böse Pharma-Industrie, die längst begriffen hat, das man die Naturheilkunde nicht bekämpfen muss, sondern dass man mit ihr auch Geld verdienen kann, 

Es ist der Unterschied in der Weltanschauung,  
im Wissenschaftsverständnis, der es eingefleischten Naturwissenschafts-Dogmatikern so schwer macht,  
Patienten und Behandlern mehr Eigenverantwortlichkeit in Liberalität zuzutrauen. 

Es liegt auch daran, dass die Gesundheitspolitik in die Hände der Sozialpolitiker gefallen ist, deren Blick von der Geldnot getrübt ist. 

Und es liegt daran, dass alle Entscheidungen zu diesem Thema stets am Patienten vorbei getroffen werden.  
Politik, Krankenkassenverbände, Ärzteverbände und Pharma-Industrie ziehen alle am gleichen Strick -  
nur leider alle in verschiedene Richtungen.  
Die Patienten sind am runden Tisch nicht vertreten und werden nicht gefragt.  
Zwar fühlen die Krankenkassen sich als Anwalt der Patienten -  
ob der Patient das auch so sieht, wage ich zu bezweifeln. 

Wer dieser Entwicklung nicht völlig tatenlos zusehen will, sollte sich einem naturheilkundlichen Publikumsverein anschließen, um auf diesem Wege gebündelt Einfluß zu nehmen.  
Sie haben hier in Dresden seit dem Sommer einen "Biochemischen Gesundheitsverein", bei dessen Gründung ich ein bißchen behilflich sein durfte.  
Der Verein bietet Ihnen für 2,50 DM im Monat zwei Zeitungen, viele Informationen und Vorträge über die Naturheilkunde,  
und schlägt die Brücke über den Biochemischen Bund zur Arbeitsgemeinschaft Naturheilkunde, die - wenn's sein muß - in Berlin Laut gibt.  
Der Verein ist mit einem Stand hier vertreten. 

Die Naturheilkunde - meine Damen und Herren - hat eine große Vergangenheit - und mit Ihrer Hilfe sicher auch eine große Zukunft.  
Sie ist kein nostalgisches, verstaubtes Relikt des vorvorigen Jahrhunderts.  
Naturheilkunde ist die Kunde davon, wie man mit der Natur und auch den Naturwissenschaften heil bleibt oder wird. 

Sich stets neu und mutig den Herausforderungen stellen,  
das ist die große Aufgabe der Naturheilkunde heute.  
Und darin liegt ihre Chance für die Zukunft.