Hans-Heinrich Jörgensen 
Arthrose und Osteoporose - unabdingliches Altersschicksal ?

Arthrose und Osteoporose sind zwar grundverschiedene Krankheiten, haben aber etliche Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel die große Altershäufigkeit und eine geringe  - zumindest nicht unmittelbare  - Sterblichkeit, was vielleicht auch der Grund ist, warum die ernsthafte  Forschung im Vergleich zu bösartigen Erkrankungen klein geschrieben wird. Immerhin ist die Summe des Leidensdruckes insgesamt größer als beim Krebs, ist dieser doch barmherzig genug, den Patienten auch irgendwann zu erlösen.

Wenn also Arthrose und Osteoporose in weiten Bereichen gleiche Ursachen haben, gelten folglich auch gleiche Vorbeugemaßnahmen und zum Teil Therapien.

Lassen Sie mich mit der Arthrose beginnen 
 und ein paar physiologische Erinnerungen wecken.  Der Gelenkknorpel erfüllt zwei Aufgaben: er federt als elastisches Knorpelkissen jeden Stoß des Straßenpflasters ab, und ermöglicht als gut geschmiertes Gleitlager die reibungslose Bewegung des Gelenks. "Flutschen" nenne ich das, worauf meine Frau mich immer des Gassenjargons beschimpft. Aber mir fällt kein treffenderer Ausdruck ein.

Knorpel ist kollagenes (vom Leim kommendes) Bindegewebe. Sehnen, Bänder, Kapseln, Muskelfaszien, das bindegewebige Knochengerüst, Herzklappen und die Grenzmembranen der Nerven zum Teil auch. 1/3 des gesamten Körpereiweißes ist solch kollagenes Bindegewebe. Das ist die Substanz aus der schließlich Gelatine gekocht wird. Verständlich, dass die Hoffnung keimt, Gelatine müsse ja auch alle Bausteine des Knorpels besitzen und mithin als Therapeutikum wirksam sein. Waldmeisterpudding oder Gummibärchen gegen Arthrose? Ich gebe zu, wenn ich eine Gelatinefabrik hätte, würde ich auch an dem Gerücht stricken. Nur: im Verdauungstrakt werden alle eiweißhaltigen Nahrungsmittel in die Grundbausteine abgebaut, und wie sage ich meinem Stoffwechsel hinterher, dass er die simplen Aminosäuren wieder zu kollagenem Bindegwebe aneinanderreiht, und dann auch noch zur kaputten Hüfte schleppt? Vielleicht könnte das ganze ja  klappen, wenn der Waldmeisterpudding nicht geschluckt sondern gespritzt würde. Aber dann wiederum droht beim nächsten Pudding die Allergie.

Stelle ich bei meinen Patienten die Diagnose "Arthrose", dann werden die Gesichter lang und resignierend kommt das Echo: "Dann kann man ja nichts mehr machen!". Falsch! Knorpel ist nicht für ewig gemacht. Er wird ständig ab- und wieder aufgebaut. 

Durch enzymatische Verdauungsprozesse wird der alte Knorpel zu Lipofuszin abgebaut, dieses wird in die verbleibende Knorpelsubstanz eingelagert, wodurch sie im Laufe der Jahre immer härter und spröder wird. Beim Embryo sind selbst die Knochen noch gallertartig, beim Alten wird auch der Knorpel spröde und verliert seine Elastizität. Fällt ein Säugling vom Wickeltisch, passiert meist nicht viel, fallt die 90jährige Urgroßmutter, geht es selten ohne Bruch ab.

Die Neubildung erfolgt durch die Chondroblasten in der Gelenkkapsel, die ähnlich wie die Düsen des Zuckerbäckers auf der Kirmes ein vielfältig quervernetztes Fasergewebe erzeugen. Die Einzelfaser misst im Querschnitt weniger als 1/1000 Millimeter, erst durch die Quervernetzung entsteht die Stabilität und Elastizität. Die Hohlräume werden mit einer Kittsubstanz aus Glykoproteinen ausgefüllt. 

Haben Sie sich einmal Gedanken gemacht, was denn der Biochemie-Schüßler meinte, als er von der Nummer vier, Kalium chloratum, sagte, es hätte eine enge Beziehung zum Faserstoff? Abenteuerliche Interpretationen kursieren in der Kollegenschaft. Kollagenes Bindegwebe ist Faserstoff, und genau da ist die Nummer vier unverzichtbar.

Knorpel wird ständig neu gebildet, Chondroblasten jedoch nicht. Mit dem Ende der Pubertät bilden sich auch keine neuen Chondroblasten mehr, im Gegenteil, sie sterben gesetzmäßig konstant nach und nach ab. Das Versorgungsgebiet abgestorbener Chondroblasten muss von den verbliebenen mit versorgt werden, darum wird die Knorpelqualität mit zunehmendem Alter auch immer schlechter.

Die langsame Absterberate der Chondroblasten wird durch das Kortikoid Dexamethason verdreifacht. Das ist der Grund, warum die Gabe von Dexamethason und anderen Kortikoiden bei Arthrosen auch kontraindiziert ist. Im Tierversuch erzeugt man künstlich Arthrosen, indem man Dexamethason intraartikulär spritzt.

Der Synovialschleim ist Transportmittel für das neugebildete Fasergewebe, Schmiermittel für das Gleitlager und zusätzliches Polster, wie ein Wasserbett. Es wird in großer Menge mit einer Halbwertzeit von 3-4 Tagen produziert. Wer einmal ein geschwollenes Kniegelenk punktiert hat, weiß, welche Mengen Schleim dort zu Tage treten. Die Qualität und Viskosität eines solchen Punktates kann man zwischen zwei Fingern prüfen. Minderwertiger wässriger Gelenkschleim reißt sofort ab, guter bildet einen zäh-schleimigen Faden.

Damit der Schleim nicht ausläuft, ist das ganze von einer Kapsel umgeben. Die faltige Kapsel des Schultergelenkes neigt zu Verklebungen und Verwachsungen, wodurch die Rückwärtsbewegung der Schulter schmerzhaft beeinträchtigt wird. Die Diagnose "Periarthritis humeroscapularis" kann als gesichert gelten, wenn bei fixiertem Schulterblatt und Schlüsselbein (ein Handgriff des Therapeuten über das Schulterdach) der Griff des Patienten an den Hinterkopf schmerzhaft und eingeschränkt ist. Das ist keine Arthrose sondern ein Kapselproblem, das man im akuten Stadium mit Procain, im chronischen mit einer Reiztherapie angeht.

Die Lipofuszin-Einlagerungen und die absterbenden Chondroblasten machen also die Arthrose im Alter zum gesetzmäßigen Zustand. Fragt sich nur,  wann? Schon bei 25jährigen gibt es röntgenologisch nachweisbare Veränderungen. Mit 50 Jahren hat jeder zweite eine Arthrose, aber nur ein drittel davon hat Krankheitswert. Eine Krankheit haben und unter ihr leiden sind ja zwei Paar Schuh'. 75jährige haben zu 90% Arthrosen, die Hälfte davon mit Krankheitswert. Setzen wir die Hochrechnung fort, leiden wir mit 125 Jahren alle an schmerzhaften Arthrosen. 

Es ist das Missverhältnis von Knorpelabbau und -neubildung, das zur vorzeitigen Arthrose führt. Eine wesentliche Ursache des gestörten Aufbaus sind die bereits erwähnten Kortikoide, die nicht nur die Absterberate der Chondroblasten beschleunigen, sondern selbst auch katabol wirken. Auch Verletzungen der Gelenkkapsel oder zuführender Gefäße und Nerven tragen dazu bei. Und schließlich lokale Durchblutungsstörungen, woraus folgert, dass auch Rauchen eine wesentliche Ursache für degenerative Gelenkerkrankungen ist. Darüber gibt es auch Untersuchungen.

Der beschleunigte enzymatische Knorpelabbau kann auf eine angeborene Enzymstörung zurückzuführen sein. Vor allem aber beschleunigt ein saures Milieu den enzymatischen Abbau. Das bestätigt die naturheilkundliche These, dass die "Übersäuerung" durch eiweißreiche Ernährung zu Gelenkschäden führt. Die Krankheit der Könige können sich heute auch arme Leute leisten. Und schließlich lässt diese These die häufige Gabe "saurer Antiphlogistika", also nichtsteroidaler Antirheumatika, zumindest bei degenerativen Gelenkerkrankungen in völlig neuem Licht erscheinen.

Und immer wieder wird die Diagnose "Arthrose" kopfnickend bestätigt: "Ich habe ja auch mein Leben lang schwer gearbeitet!" Wiederum falsch. Nicht die physiologische Belastung macht die Gelenke kaputt, eher noch Bewegungsarmut. Auch die Immobilisation wird im Tierversuch zur Erzeugung von Arthrosen benutzt. Die regelmäßige physiologische Belastung führt zur gleichmäßigen Synovialverteilung im Gelenk. Wohl aber führt eine unphysiologische Belastung zu Schäden. Und von daher ist der profitorientierte professionelle jugendliche Hochleistungssport mit Recht zu kritisieren. Die supergelenkigen 15jährigen Gymnastikwunder sind mit großer Wahrscheinlich später frühinvalide Rentner.

Bei der Gelegenheit möchte ich Ihr Augenmerk auf die vielfältigen Fehlstellungen der Hüftgelenke richten, die natürlich auch zu unphysiologischen Belastungen führen. nach meinen Erfahrungen werden die Hüftgelenke als Ursache des heißgeliebten LWS-Syndroms, volkstümlich "Bandscheibenschaden", allzu oft übersehen. Ich schätze, dass ca. die Hälfte aller WS-Probleme ihre eigentliche Ursache in den Hüftgelenken hat, und kann nur dringend empfehlen, diesen erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken.

Coxa valva und Coxa vara, der falsche Winkel zwischen Oberschenkel und Oberschenkelhals, werden röntgenologisch schnell erkannt. Die vorbiegige Hüfte, die durch ein Hohlkreuz kompensiert wird, die rückbiegige mit dem Rundrücken, die auswärts rotierte mit dem Entengang (Charly Chaplin) und die einwärts rotierte, die "über den großen Onkel treten" lässt, sie alle führen zu vorzeitigen Schäden der Hüftgelenke.

Eine sorgfältige Diagnostik sollte die Arthrose deutlich von der autoimmunologischen pcP und von der Gicht unterscheiden, weil die Medikamente, die bei diesen beiden sinnvoll sein können, die Arthrose verschlimmern. 

Bei der Gicht sei angemerkt, dass ein mäßig erhöhter Harnsäurespiegel noch lange keine Gicht ist, oft nur die Folge einer diuretischen Therapie, die ja das Blut eindickt und damit die Konzentration aller pathologischen Parameter erhöht. Auch sei erwähnt, dass an der Niere saure Antiphlogistika mit der Harnsäure um die Ausscheidung konkurrieren. Und schließlich, dass bei nichtenzymatischen Harnsäurebestimmungen das obligatorische Medikament Allopurinol mit erfasst wird, als sei es Harnsäure. Wer also brav schluckt, bleibt - zumindest labortechnisch - Dauerpatient.

Therapie und Prophylaxe sind eines. Das ganze beginnt mit der Ernährung, die vollwertig, mineralreich und eiweißarm sein sollte. Saure Antiphlogistika, also Antirheumatika, sind aus unserer Sicht kontraindiziert, auch wenn die Hersteller das gerne anders sehen. Das Einüben anderer Bewegungsabläufe, Veränderungen der Sitz- und Liegepositionen, die vorübergehende Entlastung betroffener Gelenke, notfalls der Spazierstock, vermögen genau so viel Linderung zu schenken, wie das Antirheumatikum, das für zwei bis drei Stunden die Schmerzen betäubt und die aufgepfropfte Entzündung unterdrückt, das ganze aber um den Preis einer Verschlechterung der Knorpelstruktur.

Wärme jeglicher Art, vom Heublumensack bis zur Mikro-, Kurz- oder Mittelwelle, kann Linderung verschaffen. An der Arthrose ändert die Wärme nicht viel, aber die Schmerzen sitzen nicht im Gelenk, sondern in der angrenzenden Muskulatur, die krampfhaft versucht, das Gelenk ruhig zu stellen. Und die kann man durch Wärme lockern und entspannen. Zur Wärmeerzeugung muss nicht ein teurer Apparat in einer der zwölf Kabinen des Orthopäden klingeln, die kann man auch zu Hause erzeugen, z.B. mit der Gummiwärmflasche, wenn's sein soll auch mit heißen Pellkartoffeln im Leinensack. Bitte nur nicht mit einem elektrischen Heizkissen. Heizkissen und Heizdecken gehören nicht ins Bett. Jedes Jahr sterben etliche Menschen daran. Auch auf kleiner Stufe heizt es unter der Bettdecke hoch auf. Und wenn Sie meinen, Sie würden schon merken, wenn Sie brennen, irren Sie sich. Die Rauchvergiftung überrascht sie im Schlaf ehe Sie in Flammen stehen.

Die nächste Sprosse auf der Leiter der Therapie führt dann zwangsläufig in die Praxis. neuraltherapeutische Injektionen an und in die Gelenke, Reiztherapie mit künstlichen Entzündungen über den befallenen Gelenken und Akupunktur gehört in die Hand des Erfahrenen. Wirksame Chondroprotektiva (z.B. Arteparon, mit dem ich manche Endoprothese vermeiden oder aufschieben konnte) sind leider der restriktiven Nachzulassung zum Opfer gefallen. 

Und wenn's denn gar nicht mehr anders geht, steht die Endoprothese ins Haus. Keine Frage, hier hat es riesige Fortschritte gegeben, bei der Hüfte mehr noch als beim Knie. Die Entscheidung muss jeder Patient selbst treffen.

Und nun zur Osteoporose:  
sie ist trefflich geeignet, mit Knochendichtemessungen Ängste und Abhängigkeiten zu erzeugen und die "Notwendigkeit" einer Östrogensubstitution zu begründen. So wichtig und wissenschaftlich, wie die Densitometrie sich auch gibt, sie ist beides nicht! Drum wird sie auch von den gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr bezahlt, es sei denn nach einer Fraktur. Das verkündete Ergebnis "78% der normalen Knochendichte" krankt daran, dass es diese normale Dichte nicht gibt. Darum ist die Knochendichtemessung zur Diagnose einer Osteoporose auch denkbar ungeeignet. Lediglich zur Verlaufskontrolle kann sie einen Sinn machen, weil mit der Erstuntersuchung ein Vergleichswert entsteht, an dem man sich zukünftig orientieren kann. Als Argumentationshilfe zur Östrogen-Verordnung ist die Densitometrie aber offenbar sehr hilfreich. 

Natürlich ist die Osteoporose keine Östrogenmangelkrankheit. Wäre es so, müssten alle männlichen Kollegen ja im Rollstuhl herumfahren. Von allen Faktoren, die am Knochenauf- und abbau beteiligt sind, kommt dem Östrogen ein Anteil von ungefähr 5% zu. Dafür sind aber 70% aller Mammatumoren hormonrezeptoreninduziert, das heißt, sie werden durch Östrogen angeheizt. Und wenn man sich die übrigen Kontraindikationen und Nebenwirkungen (Beipackzettel, Rote Liste) anschaut, bleibt unverständlich, mit welcher Chuzpe jeder klimakterischen Frau ein Östrogen-Pflaster "auf's Auge gedrückt" wird. 

Es ist nicht unüblich, dass wir in der Medizin Kehrtwendungen von 180 Grad machen. Vor nicht allzu langer Zeit haben wir die klimakterischen Beschwerden und die Osteoporose nicht mit dem weiblichen Hormon Östrogen sondern mit Androgenen oder den männlichen Hormonen verwandten Stoffen behandelt. Mit durchschlagendem Erfolg - nicht für die Osteoporose, sondern für die Firmen Siemens und Braun, die danach einen Damenrasierappparat kreierten, und zum Leidwesen aller Kirchenchöre, die seitdem keine Sopranstimmen mehr finden. 

Die Osteoporose ist ein Substanzverlust des Knochens, in erster Linie ein Calciumverlust. Auch das ist ein natürlicher Vorgang, der sich zwar verzögern lässt, aber ebenso wie das Alter nicht aufhalten lässt. Die Röhrenknochen werden auf Beklopfen schmerzhaft, was diagnostisch aussagekräftiger ist, als jede Densitometrie. Die Oberschenkelhälse sind frakturgefährdet, ebenso die Deckplatten der Wirbelkörper, die nach frontal hin immer mehr abflachen. Die bucklige Hexe aus den Abbildungen des Märchenbuches ist das typische Bild der fortgeschrittenen Osteoporose. 

Die Grimmsche Hausmärchenhexe aus "Hänsel und Gretel" allerdings bekam diese Figur erst, als aus dem Hausmärchen, der Spinnstubengeschichte, das Kindermärchen wurde. Jene "Hexe", die den pubertierenden Hänsel (von sich) gefangen nahm, ihn im Ofenloch "garen" (reifen) wollte, am (phallischen) kleinen Finger den Fortschritt prüfte, hatte sicherlich eine andere Figur. Honi soit qui mal y pense - Ein Schelm, der Arges dabei denkt.

Das menschliche Skelett wiegt etwa 7 kg, auch beim Übergewichtigen, der immer den "schweren Knochenbau" anschuldigt. 1,5 kg davon sind reines Calcium, eine beträchtliche Reserve, die zur Verfügung steht, um vorübergehende Mängel im Blut, die zur Tetanie führen und mit dem Leben nicht vereinbar sind, sofort auszugleichen. Führen wir uns nicht nur vorübergehend, sondern ständig zu wenig Calcium zu - und Ernährungsstudien bescheinigen das - dann zehren wir ein ganzes Leben lang von dieser mit dem Abschluss der Pubertät aufgebauten Reserve. Es ist ein Rechenexempel: fehlt von den 1000 mg, die wir täglich brauchen, nur 5%, also 50 mg, dann haben wir in 40 Jahren fast die Hälfte unserer Calciumspeicher verbraucht. Drum beginnt auch die Osteoporose irgendwo zwischen 50 und 70, und nicht wegen des Klimakteriums. 

Dass Kortikoide zu einer massiven Entkalkung des Knochens beitragen, ist inzwischen Allgemeingut geworden. Ich erinnere mich einer 55jährigen Patientin, die wegen einer "antirheumatischen" Kortikoidtherapie mit zwei eingebrochenen Deckplatten der Wirbelkörper stationär eingeliefert werden musste. Sie wurde als dauerbettlägriger Pflegefall wegen der schweren Osteoporose entlassen. Mit Bewegungsübungen, Reiztherapie und Calcium konnten wir sie wieder gehfähig machen. Der Vorfall liegt über 20 Jahre zurück und die Patientin kann heute noch - mehr schlecht als recht - ihrem Haushalt vorstehen.

Jede Hausfrau weiß, dass man mit Essig- oder Salzsäure die hässlichen Kalkflecken von der Badezimmerarmatur entfernt. Mit einer zu sauren Ernährung erweist man seinem Skelett den gleichen - diesmal unerwünschten - Dienst. Man löst Calcium heraus. Zuviel Eiweiß in der Ernährung kann als gesicherter Übersäuerungsfaktor gelten. Saure Antiphlogistika und einige andere saure Medikamente, die teilweise als äußerst wundersam für das Immunsystem gepriesen werden, natürlich auch.

Die vielen Säurewerttabellen über Nahrungsmittel, die durch unsere Literatur geistern, können Sie alle vergessen. Sie lassen sich nahtlos zurückverfolgen auf eine Untersuchung von Ragnar Berg im Jahre 1912, veröffentlicht in der "Chemiker-Zeitung". Damals allerdings definierte man den Säurebegriff anders als heute. Heute gilt als Träger der Säure das dissoziierte H+-Ion (Broenstedt-Theorie 1923). Zu Ragnar Bergs Zeit galten Kationen als Basen und Anionen als Säure (Arrhenius-Theorie). Berg hat damals die gängigen Kationen und Anionen in den Nahrungsmitteln bestimmt. Die Tabellen fußen also alle auf einer überholten Theorie. Zudem waren die Untersuchungen unvollständig, denn wären Kationen und Anionen in einem Nahrungsmittel nicht ausgeglichen, dann würde es auf dem Teller qualmen, zischen, leuchten oder gar explodieren, es wäre chemisch hoch reaktiv. Essen würden wir es kaum!

Auf ähnlich missverstandenen Untersuchungen beruht die nicht aus den Köpfen zu bringende Vorstellung, Getreide würde säuern. Richtig ist, dass das kaliumreiche Getreide entsäuert. Und da diese ausgeschiedene Säure im Urin auftauchte, hat man fälschlicherweise aus dem Urintest geschlossen, Getreide würde säuern. Wir lassen uns nur allzu leicht durch richtige Beobachtungen, die wir falsch interpretieren, in die Irre führen.

Zur Therapie gehört also - genau wie bei der Arthrose - die Vermeidung sauer machender Fehler in der Ernährung und Therapie. Zum Entsäuern wiederum ist Kalium unentbehrlich, weil Kalium intrazellulär versteckte - und wohl auch im Bindegewebe gespeicherte - Säuren freisetzt und der Nierenelimination preisgibt. Damit aber die Niere Säure optimal ausscheiden kann ist das Spurenelement Zink als Kern der Carboanhydrase nötig. 

Und natürlich muss auch Calcium sein. Man kann noch so gezielt mit Homöopathika an den Verwertungsmechanismen drehen, wenn kein Calcium in stofflich ausreichender Menge vorhanden ist, kann auch keines eingebaut werden. Drei Dosierungsebenen bieten sich an: niedere homöopathische Potenzen können bei kleinen Mängeln ausreichen. Bei einer bereits vorhandenen Osteoporose empfehlen sich Dosierungen, die dem Bedarf in etwa entsprechen oder zumindest das Nahrungsangebot aufstocken. Extrem hohe Dosierungen können zum Bumerang werden, wenn ihnen die zum Einbau in das Skelett nötige adäquate Phosphatmenge fehlt. 

Die obligatorische Empfehlung, viel Milch zu trinken, ist ein zweischneidiges Schwert. Milch enthält zwar viel Calcium, sogar verwertbares, aber eben auch viel Eiweiß, und damit wird der Nutzen wieder zunichte gemacht.

Auch auf Siliciumdioxid, in der Sprache der Homöopathen und Biochemiker Silicea, sollte man nicht verzichten. Auch hier hat Schüßler schon vor 125 Jahre den engen Zusammenhang zum Bindegewebe postuliert, von der Medizin lange ignoriert und verlacht. Eine recht junge Studie der kalifornischen Universität San Diego belegt, dass die Matrix, nach der der Körper kollagenes Bindegewebe strukturiert, von Silicea abhängig ist.

Ein Wort pro domo: alle erwähnte Elemente finden Sie in den Neukönigsförder Mineraltabletten®, die vor gut 25 Jahren "auf meinem Mist gewachsen" sind. 

Die Kalkverbindung im Knochen, Apatit, ist eine Calciumfluoridphosphat-Verbindung. Die Fluor-Spuren darin härten den Knochen. Auch das wusste schon im vorvorigen Jahrhundert der Oldenburger Arzt Dr. Schüßler. Die biochemische Nummer 1, Calciumfluorid in einer D12, reichte lange Zeit zur Härtung von Knochen und Zähnen aus. Inzwischen hat die Schulmedizin das Thema aufgegriffen und therapiert die Vorschulkinder zur Kariesprophylaxe und deren Urgroßmütter zur Osteoporoseprophylaxe mit dem gleichen Zeugs, Natrium- oder Calciumfluorid, allerdings in einer der D3 - D2 entsprechenden Dosis, also zehntausendmillionen Mal höher dosiert, als in der Biochemie. Das bewegt sich zumindest hart am Rande der Toxizität. Jeder Schmied weiß: härtet man den Stahl zu sehr, dann bricht er. "Glück und Glas....". Moderne Untersuchungen belegen, dass die Frakturrate bei mit Fluoriden behandelten Osteoporosepatienten höher liegt als bei unbehandelten. Erstes Warnsignal einer Überdosierung sind Schmerzen an den Sprunggelenken.

Fluor in Reinform ist ein hoch toxisches Endprodukt der Aluminiumproduktion, die einträchtig vereint um die Elbmündung herum angesiedelt ist. Den Abfall einfach durch ein langes Rohr in die Nordsee laufen lassen, geht nicht. Aber auf dem Umweg über die Hamburger Kindergärten gelangt es nun ganz legal dort hin.

Das Bemühen, eine breite Kariesprophylaxe durch die Fluoridierung des Trinkwassers zu erreichen, ist glücklicherweise gescheitert. Der nächste Schritt wäre wahrscheinlich gewesen, das ebenso weit verbreitete Valiummangelsyndrom ebenfalls übers Trinkwasser zu bekämpfen.

Jüngstes Kind der Schulmedizin sind die Bisphosphonate, die ursprünglich gegen den Morbus Paget oder Knochenmetastasierungen zugelassen waren, inzwischen aber auch in die Osteoporosetherapie drängen. Die Bi-, Bis- oder Diphosphonate hemmen die Osteoklasten, damit also den Knochenabbau. Leider aber ebenso den Knochenaufbau. Das normalerweise außerordentlich stoffwechselaktive Calcium-Apatit wird kristallisiert und verliert damit seine An- und Abbau-Aktivität. Einmal eingesetzte Biphosphonate bleiben noch Jahre nach der Behandlung aktiv, die Therapie ist also irreversibel. 

Das nicht ganz korrekt als Vitamin (D3) bezeichnete Hormon Cholecalciferol trägt dazu bei, Calcium in die Knochen einzubauen und gehört ebenfalls zu den therapeutischen Säulen. 

Der wichtigste und physiologische Reiz jedoch, der dem geschluckten Calcium den Weg in die Spongiosa des Knochens zeigt, ist die Bewegung. Der gebrochene und gegipste Arm des 18jährigen Handballspielers ist in kurzer Zeit osteoporotisch und ebenso schnell wieder calcifiziert, wenn der Gipsverband runter ist, und der junge Mann wieder Handball spielt. Natürlich kann man der 90jährigen Urgroßmutter mit der durchgemachten Oberschenkelhalsfraktur kein Trampolinspringen verordnen, wohl aber sorgfältig dosierte Bewegungsübungen. Gipsbett und Stützkorsett sind Krücken und Ausdruck der therapeutischen Resignation, schaden aber durch die Ruhigstellung mehr, als sie nützen. 

Bewegung ist elementarer Teil des Lebens. Und wenn es uns gelingt, den alten, kranken, resignierten Arthrose- oder Osteoporosepatienten aus der Hoffnungslosigkeit zu befreien und wieder am Leben teilhaben zu lassen, akzeptierend, dass das hohe Alter auch seinen Preis hat, dann hat sich's gelohnt.