Wechseljahre - es geht auch ohne Hormone

von Hans-Heinrich Jörgensen

Nun ja, 1998 war ein Wechseljahr, was mancher kritisch sehen mag. Aber das ist hier nicht gemeint, wenngleich das schöne Wort "Klimakterium" vom griechischen klimakter = kritisch herkommt. 

Gemeint sind die Wechseljahre der Frau, der kritische Übergang von der Fruchtbarkeitsphase in jenes Alter, in dem es nicht mehr so schrecklich sinnvoll erscheint, mit der Aufzucht der Nachzucht zu beginnen. Mit großer Schwankungsbreite liegt diese Zeit so irgendwo zwischen 45 und 55 Jahren. Die Zeit danach nennen wir "postklimakterisch". Manche Frau weiß ein Lied davon zu singen, daß von post=danach keine Rede sein kann, auch danach bleibt die Zeit kritisch. 

Es ändert nichts, alle Frauen müssen durch diese Zeit hindurch, und ca. zwei Drittel aller Frauen hat erheblich unter den Veränderungen zu leiden: Schwindel, Herzjagen, Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Reizbarkeit, Angstgefühle, Depressionen...... Die Liste der Beschwerden ist lang. 

Allen aber, ob mit oder ohne Beschwerden, drängt man heute massiv eine Behandlung auf, und wenn sie nicht willig sind, fast mit Gewalt, nämlich mit so fadenscheinigen Argumenten wie Osteoporose-Prophylaxe und Kreislauf-Verbesserung. Und diese Behandlung sieht sehr einseitig aus: Hormon-Substitution. Spätestens, wenn die neuen Arzneimittelrichtlinien zur Kassenfähigkeit in Kraft treten, wird's noch einseitger: dann dürfen nämlich die Ärzte pflanzliche Mittel nicht mehr zu Lasten der Krankenkassen verschreiben, sondern nur noch Hormone. Wo hier der angestrebte Spareffekt liegen soll, bleibt unerfindlich. 

Weit über einhundert Hormonpräparate sind am Markt. Jeder Hersteller möchte ein Stückchen vom Kuchen abhaben, drum sind die Fachzeitungen voll von Lobliedern, und die Östrogen-Euphorie in der Medizin kennt keine Grenzen. Es scheint an der Zeit, auch einmal warnend den Zeigefinger zu heben und über Zusammenhänge und Ursachen ein wenig aufzuklären, denn mit engem Röhrenblick auf nur ein Hormon werden wir der Vielfalt der Probleme ganz sicher nicht Herr. 

Botenstoffe 
Zur sinnvollen Steuerung aller Lebensvorgänge bedient sich der Organismus komplizierter Regelkreise mit ständiger Selbstkontrolle und Rückkoppelung. Die schnellen Informationen wandern auf festen Bahnen, den Nerven. Signale mit Langzeiteffekt werden via Blutbahn durch Hormone vermittelt. Der Unterschied ist so ähnlich wie der zwischen Festnetz-Telefon und handy. Im Festnetz kommen die Nachrichten direkt und nur bei Ihnen an - außer vielleicht noch beim Abhördienst. Das handy-Signal wird vom Satelliten überall hin geschickt. Ihr handy muß auf dieses Signal geeicht sein, um es zu empfangen. Und so müssen die Erfolgsorgane, die auf Hormon-Signale reagieren sollen, auch spezifische Rezeptoren, sprich Empfangsantennen, haben, um den Auftrag auch zu erfüllen. 

Den Zweiflern der Homöopathie sei an dieser Stelle ins Stammbuch geschrieben, daß die Hormonkonzentration im Blut einer homöopathischen D8 - D12 entspricht. 

Natürlich gibt es Wechselbeziehungen zwischen Nerven und Hormonen. Die Schaltzentrale sitzt im Zwischenhirn. Und die Hirnanhangdrüse, Hypophyse, eigentlich Teil des Nervensystems, kontrolliert ständig das Gleichgewicht der Hormone im Blut. Ihr Hinterlappen prüft, und ihr Vorderlappen schickt sofort wiederum ein Hormon, ein Botenhormon, auf den Weg, wenn irgendeine der vielen Hormondrüsen im Körper zu träge ist. Sinkt im Blut der Östrogen-Spiegel, schüttet die Hypophyse vermehrt ihr Botenhormon aus. Und hier taucht doch schon die erste kritische Frage auf: sind die typischen Wechseljahrsbeschwerden die Folge von zuwenig Östrogen oder von zuviel Botenhormon ? 

Und umgekehrt funktioniert das ganze auch: steigt der Östrogen-Spiegel im Blut, vermindert sich die Ausschüttung des spezifischen Botenhormons, und im Gefolge natürlich auch die Östrogen-Ausschüttung. Wie klug wir doch sind: wir therapieren den körpereigenen Östrogen-Mangel auf eine Weise, die den Mangel immer mehr verstärkt, denn der tablettenbedingte Östrogen-Anstieg bremst die körpereigene Produktion. 

Die Botenhormone des Hypophysen-Vorderlappens steuern das Wachstum, den Fettstoffwechsel, die Cortison-Ausschüttung, die Schilddrüsen-Tätigkeit und die Geschlechtsfunktion, um die es hier geht. 

Da ist das Follikel- und Samen-stimulierende Hormon (FSH), das - wie der Name sagt - bei Mann und Frau wirksam ist. Bei der Frau regt es die Eierstöcke zur vermehrten Östrogen-Produktion an, abhängig von den Prüf-Ergebnissen des Hypophysen-Hinterlappens. Es ist das typische Hormon der ersten Zyklus-Hälfte. 

Das luteinisierende Hormon (LH), regt die Gelbkörper, das sind die nach dem Eisprung leer gewordenen Follikel, zur Gestagen-Bildung an. Das ist das typische Hormon der zweiten Zyklus-Häfte. Gestagen kommt vom lateinische gestare=tragen, womit die Funktion schon sehr gut umrissen ist. 

Das Prolaktin stimuliert die Brustdrüsen, weil, wenn das Tragen denn erfolgreich war, das Würmchen Nahrung braucht. 

Das Thyreoidea (Schilddrüse) stimulierende Hormon (TSH) schließlich treibt die Schilddrüse an. Und hier gibt es das erste Problem: FSH und TSH werden in den gleichen Zellen des Vorderlappens erzeugt. Immer, wenn der Hinterlappen verzweifelt meldet: "Hier kommt zuwenig Östrogen an, mehr FSH auf den Weg schicken !", dann produzieren und produzieren diese Zellen gehorsamst mehr FSH und werden größer und größer. Vergebens, denn die Keimdrüsen, die nach der Totaloperation gar nicht mehr da sind, oder die sich schon zur Ruhe begeben haben, die vielleicht auch bei der jungen Maid noch nicht ganz reif sind, können nicht antworten. Aus den vergrößerten Vorderlappen-Zellen aber wird zwangsläufig auch mehr TSH ausgeschüttet. Und die Schilddrüse reagiert prompt. Sie ist ja schon oder noch da, und sie gehorcht dem Signal. 

Die Schilddrüse ist aber jenes Organ, das uns schlagartig von Ruhe und Erholung auf Flucht und Kampf umstimmt. Ihr Übereifer macht Herzjagen, Angstgefühle, Schweißausbrüche. Dabei schwillt die Schilddrüse auch etwas an. Das Hüsteln und Räuspern bei Aufregung kommt nicht aus den Bronchien, sondern von der Schilddrüse, die von außen auf den Kehlkopf drückt. Die kann man aber nicht weghusten. Schon die Ärzte im alten Griechenland haben den Zusammenhang zwischen Klimakterium und Schilddrüse beobachtet, wenn auch falsch gedeutet. Sie meinten, der Kloß im Halse sei die Gebärmutter, die - nun nutzlos geworden - dorthin aufsteigt. Globus hystericus, von hystera=Gebärmutter, nannten sie dieses Phänomen. 

Die vom Zwischenhirn und Hinterlappen gesandten Impulse kommen pulsatierend, in der Östrogen-Phase im 90-Minuten-Rhythmus, in der Gestagen-Phase im 3-4-Stunden-Rhythmus. Jetzt können Sie Ihren Wecker auf die nächste Hitzewalltung stellen. 

Ihnen ist hoffentlch schon deutlich geworden, daß viele der Wechseljahrs-Beschwerden in Wirklichkeit hier ihre Ursache haben. Bei einer sinnvolle Behandlung von Pubertäts- und Klimakteriums-Beschwerden sollte man immer auch an die Schilddrüse denken. 

Keimdrüsen-Hormone 
Alle Keimdrüsen-Hormone haben eines gemeinsam, sie werden aus der gleichen Muttersubstanz gemacht: aus Cholesterin ! Da senken wir jahrelang aus aufgebauschter Angst vor dem Schlaganfall den Cholesterin-Spiegel, und im Klimakterium beweinen wir, daß nun dessen Tochterprodukte, Östrogen und beim Manne Testosteron, fehlen. Auch Aldosteron, das den Blutdruck regelt, und Cortison, das Allergien verhindert, sind Töchter des Cholesterins. Über die Zwischenstufen Pregnenolon und Progesteron werden sie alle im Körper aufgebaut. Cholesterin fürchten wir wie den Leibhaftigen, Pregnenolon preisen die Amerikaner derzeit als Wunderwaffe gegen das Altwerden. Es wird nicht lange dauern, dann schwappt auch dieser Unsinn über den Atlantik. 

Der Abbau der Hormone erfolgt in der Leber, die Ausscheidung über die Galle und den Darm oder über den Urin. Als Pregnandiol oder Humanes Choriongonadotropin (HCG) sind sie in bestimmten hormonellen Situatione dort deutlich vermehrt. Das nutzen wir zum Schwangerschaftstest oder beim HCG zum Aufspüren von Hodenkrebs. Eine Verwechslungsgefahr besteht hier kaum, denn Schwangere bekommen keinen Hodenkrebs, und Leute mit Hodenkrebs sind niemals schwanger. 

Die erste Zyklus-Hälfte ist keineswegs immer die Hälfte. Sie kann 7 Tage, sie kann auch 21 Tage dauern, schwankende Zyklus-Dauer hat immer ihre Ursache in der ersten Phase, die vom Östrogen bestimmt ist. Die zweite Phase, Progesteron-bestimmt, hingegen dauert sehr konstant 14 Tage. Darum läßt sich der Eisprung, um den herum man fruchtbar ist, auch nie nach der vergangenen, sondern immer nur hellseherisch nach der kommenden Menstruation bestimmen. Diese Berechnung läßt sich nur bei sehr gleichmäßigem Zyklus zur Empfängnisverhütung nutzen. Und selbst dann kann große Erregung einen vorzeitigen Eisprung provozieren. 

Östrogen 
Auch nach der Rechtschreibreform verwenden wir den typisch deutschen Umlaut "Ö". Andere Länder kennen ihn nicht, darum heißt überall sonst unser Östrogen auch Estrogen. Lassen Sie sich nicht durch den Beipackzettel ihrer Tabletten-Schachtel irritieren. Östrogen oder Estrogen  kommt in drei Formen vor. Östradiol (E2), die wirksamste Form, Östron (E1) und Östriol (E3), beide nur schwach wirksam. 

Auch der Mann produziert Östrogen, etwa 0,1 mg am Tag, etwa soviel, wie die Frau während der Menstruation. Zum Eisprung hin wird's bei der Frau immer mehr, steigt auf fast das 10fache, während der Schwangerschaft gar auf das 100fache. nach dem Klimakterium sinkt die Produktion auf ein Minimum, nur 0,01 mg am Tag. 

Östrogen kommt vom griechischen Östrus = Brunst = Empfängnisbereitschaft = Paarungsbereitschaft, die beim Säugetier Mensch zur Freude aller nicht allein auf die zwei Tage der Empfängnisbereitschaft beschränkt ist. Empfängnisbereitschaft - eben das ist auch die Aufgabe des Östrogens. Es läßt Follikel reifen, in ihnen Eizellen, die nach dem Platzen des Follikels dann zur Gebärmutter wandern und hier auf die Befruchtung warten. Damit denn diese Mühe nicht vergebens war, tut das Östrogen mehr. Es bildet die sekundären Geschlechtsmerkmale aus, die weiche Haut, die sanften Rundungen, die typisch weiblichen verlockenden Formen, die jederman(n !) signalisieren: "Achtung - dies ist eine befruchtungsfähige Frau !" 

Dieses geschieht ganz simpel durch Fetteinlagerungen unter die Haut. Fällt nach dem Klimakterium diese Östrogen-Wirkung weg, dann wird das Fett ins Blut freigesetzt, die Haut wird faltiger, das Kreislaufrisiko nimmt zu. 

Und vieles mehr tut Östrogen. Es hält Salz und damit gebundenes Wasser zurück, auch wegen der glatten Haut. Darum aber auch die Gewichtszunahme unter einer Östrogen-Therapie. Es verringert die Talgdrüsen in der Haut, darum das zyklische Auftreten der Akne. Pflanzliche Östrogen-ähnliche Medikamente können übrigens auch bei der Akne der Knaben hilfreich sein. Ein hoher Östrogen-Spiegel geht mit einem niedrigen Cholesterin-Spiegel einher, wird doch zur Östrogen-Produktion Cholesterin verbraucht. Um den Fettspiegel im Blut zu senken, ist Östrogen jedoch nicht geeignet. da gibt es ein ganz einfaches und preiswertes Mittel: den Brotkorb höher hängen. 

Wenn man all diese Dinge noch positiv sehen mag, dann steht dem entgegen: Östrogen erhöht die Gerinnungsfähigkeit und -neigung des Blutes. Darum gilt ja auch seit Anbeginn die Antibabypille als kontraindiziert, wenn bei der Patientin Krampfadern oder Thrombosen bekannt sind. Nun ist fraglos das Thrombose-Risiko bei einer 55jährigen ungleich höher als bei ihrer 20jährigen Tochter, die mit dem Nachwuchs, nicht aber mit der Lust, noch etwas warten möchte. Muttern aber füllen wir bedenkenlos mit Östrogenen ab, die wir der Tochter verweigern. 

Schlimmer noch: das Wachstum hormon-induzierter Krebszellen wird beschleunigt. Wir gehen davon aus, daß ca. 70% aller Brustkrebs-Erkrankungen solche Zellen haben. Wollen wir dieses Risiko wirklich in Kauf nehmen ? 

Und last, but not least: über die verzahnten Regelkreise wird die Psyche verschoben. Unsere Sprache läßt zu, daß man statt verschoben auch verrückt sagen kann. Man kann in einem Autogetriebe nicht ein einzelnes Zahnrad verdrehen, ohne alle anderen zu verstellen. Der klimakterische Östrogen-Abfall führt zu einem Anstieg des Prolaktins. Prolaktin wiederum wird durch Dopamin gehemmt. Also: weniger Östrogen, mehr Prolaktin, mehr hemmendes Dopamin. Dopamin aber ist die Vorstufe der Streßhormone Noradrenalin und Adrenalin, die wiederum im Übermaß Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen, Halluzinationen und psychomotorische Störungen auslösen. In der Tat, hier bietet sich ein hormonloser therapeutischer Angriffspunkt an. 

Gestagen 
Gestagen oder Progesteron, zu deutsch Gelbkörperhormon, gesteuert vom luteinisierenden Hypophysen-Hormon, bestimmt die zweite Zyklus-Hälfte. Es wird im übriggebliebenen Follikel, das nach dem Eisprung ja nun leer ist, gebildet und hat die Aufgabe, das Bett für ein möglicherweise befruchtetes Ei zu bereiten und zu erhalten. War das Ei nicht befruchtet, wird dieses nährstoffreiche, blutgetränkte Bett nach exakt 14 Tagen abgestoßen, die Menstruation. 

Die Menstruation ist kein "Reinigungsprozess", in dem schlechte Stoffe den Körper verlassen,  wie auch heute noch viele glauben. Ohne Eisprung wäre sie völlig entbehrlich. Die Blutung in der einwöchigen Pillenpause hat auch nichts mit der physiologischen Menstruation zu tun. Immer nach dem Absetzen einer Östrogen-Einnahme entsteht eine solche Abbruchblutung. Die Pillenpause wäre völlig überflüssig, sie ist ein reiner Verkaufstrick. Hätte man den Frauen mit der Pille die Menstruation genommen, sie wäre nie zum Verkaufsschlager geworden. Frauen wollen die Regel, die einen wegen des oben zitierten Irrglaubens, die anderen, um sicher zu sein. 

Spermien werden beim Manne ständig neu gebildet. Deshalb können selbst Greise noch gesunde Kinder zeugen, wenn sie können. Die Eizellen der Frau sind alle bereits bei ihrer eigenen Geburt angelegt und ein Leben lang allen schädigenden Einflüssen ausgesetzt. Darum ist bei älteren Müttern die Rate geschädigter Kinder auch ungleich größer. Etwa 500 000 Zellen sind bei der Geburt angelegt, bis zur Reife ist die Hälfte schon abgestorben, und nur 250 reifen unter dem Östrogen-Einfluß schließlich heran. Mit jedem Zyklus reifen etliche Follikel, aber nur einer schafft es, rechtzeitig sein Ei auf den hoffnungsvollen Weg zu schicken. 

Osteoporose 
Eine kräftig geschürte Angst vor der Osteoporose wird derzeit mißbraucht, um widerspenstigen Frauen trotz aller Einwände doch noch ein Östrogen-Pflaster "auf's Auge zu drücken". Richtig ist in der Tat, daß Östrogen den Calcium-Einbau in den Knochen begünstigt. Vor allem in der Pubertät um den Epiphysenschluß zu bewirken. Aber von allen Faktoren, die auf den Knochen-Aufbau einwirken, hat Östrogen den geringsten Anteil, ca. 5%. Ob das die ganzen damit verbundenen Risiken rechtfertigt ? 

Zwei Hormone sind für den Knochenaufbau zuständig: Calcitonin aus der Nebenschilddrüse. Als Injektions-Medikament, vom Lachs gewonnen, macht es heftige Hitzewallungen und hat wie alle Hormon-Therapien den Nachteil, die körpereigene Hormonbildung immer weiter zu drosseln. Und Cholecalciferol, eher bekannt als Vitamin D3, woran deutlich wird, wie willkürlich wir völlig unterschiedliche Substanzen den "Vitaminen" zuordnen. Da lob' ich mir die saubere Systematik der Mineralien. 

Der Knochen-Abbau wird durch Parathormon, Cortison und übermäßige Säurezufuhr begünstigt. Ob wir nicht besser dort den Hebel ansetzen ? 

Kreislauf 
Das jüngste Argument, Östrogen würde den Kreislauf schützen, ist nach allen bekannten Risiken doch sehr gewagt. Es hat vor 2 Jahren eine vergleichende Studie zwischen Östrogen-behandelten und unbehandelten Frauen gegeben, in der die behandelten Frauen eine geringfügig geringere Herzinfarkt-Häufigkeit aufwiesen. Nur, was nicht veröffentlicht wurde: eingedenk der Thrombose-Gefahr hat man aus der behandelten Gruppe vorher alle Risiko-Patientinnen herausgenommen. Was Wunder, wenn hier das Ergebnis besser ausfiel. Durch neuere, sauber durchgeführte Studien konnte ein Vorteil der Östrogentherapie nicht bestätigt werden. Im Gegenteil, das höhere Risiko schlug deutlich zu Buche.  
 Beipackzettel  
Wir haben uns ja abgewöhnt, die Beipackzettel der Medikamente zu lesen, weil sie uns permanent in Gewissenskonflikte stürzen. Lassen Sie mich darum zumindest hier zitieren, was drin steht:  
  

Kein Östrogen bei

Leber- und Gallestörungen, auch in der Vergangenheit,  
Bauchspeicheldrüsen-Entzündung,  
Zuckerkrankheit,  
Brust- und Gebärmutterkrebs, auch bei familiärer Häufung,  
Gebärmutter-Myom,  
unklaren gynäkologischen Blutungen,  
Oedemen,  
Nierenversagen,  
erhöhten Blutfettwerten,  
Bluthochdruck,  
peripheren Durchblutungsstörungen,  
Ohrensausen,  
Thrombose-Neigung,  
vor Operationen und längerer Bettlägrigkeit,  
in der Stillzeit.  
 


  
  


Und auch die möglichen Nebenwirkungen sind bemerkenswert:

Hautjucken, Pigmentveränderungen,  
Depressive Zustände,  
Migräne, Kopfschmerzen,  
Schwindel, Augenflimmern, Kontaktlinsen-Unverträglichkeit,  
Übelkeit, Erbrechen, Gallenstau,  
Oedeme, Gewichtszunahme,  
Brustspannungen, Zwischenblutungen, Veränderungen der Libido,  
Blutdruckanstieg, Durchblutungsstörungen,  
Thrombose-, Infarkt- und Schlaganfallgefahr,  
Hörsturz,  
Beinkrämpfe,  
Vergrößerung von Myomen,  
Wachstums-Beschleunigung von Brust- und Gebärmutter-Krebs.  
 


  
 

Mit folgenden Medikamenten kann es Wechselwirkungen geben

Östrogen verstärkt die Wirkung von  
Betarezeptorenblockern, Antidepressiva und Tranquillizern. 

Östrogen vermindert die Wirkung von  
Paracetamol (Schmerzmittel) und Lorazepam (Schlafmittel). 

De Östrogen-Wirkung wird verstärkt durch  
Vitamin C. 

Die Östrogen-Wirkung wird vermindert durch  
Antiepileptika, Barbiturate, Rifampicin (Tb-Mittel), Griseofulvin (orales Pilzmittel)  
und bestimmte Antibiotika (Achtung: Empfängnisverhütung versagt !)

 Therapeutische Alternative 
Die beste therapeutische Alternative ist gar keine Therapie. Zur Osteoporose- und Kreislauf-Prophylaxe jedenfalls scheint mir hier ein krasses Mißverhältnis zwischen Nutzen und Risiko zu bestehen. Muß jedoch jede Nacht das Bett dreimal ausgegossen werden, weil die Schweißausbrüche es zur Badewanne gemacht haben, sollte man vor dem Gedanken an Hormone zumindest einen Versuch mit pflanzlichen oder anderen  Alternativen machen. 

Die Schüßlersche Biochemie hat kein typisches Mittel gegen das Klimakterium anzubieten. Wohl aber können einige Symptome gelindert werden, so zum Beispiel das lästige Schwitzen mit der Nr. 8 (Natrium chloratum), oder die psychischen Belastungen mit der Nr. 5 (Kalium phosphoricum) und der berühmten heißen 7 (Magnesium phosphoricum). 

In der Homöopathie stehen Sanguinaria (Blutwurzel), Lachesis (das Gift der Viper) und Sepia (Tintenfisch) an der Spitze. Die Homöopathie wendet jedoch nicht ein bestimmtes Mittel gegen ein bestimmtes Symptom an, sondern fragt sehr individuell nach dem Persönlichkeitsbild des Patienten. Was der einen Frau nützt, kann bei der anderen die Beschwerden drastisch verschlimmern. Darum kann es hier auch keine Anleitung zur Selbstbehandlung geben. 

Anders die Phytotherapie: Es waren die nordamerikanischen und kanadischen Indianer, die uns vorgemacht haben, wie es geht. Von ihnen stammt jene Pflanze, der sie der Wirkung wegen den Namen Squawroot, Indianische Frauenwurzel, gaben. Bei uns ist sie unter dem Namen Silbertraubenkerze oder Wanzenkraut  (lat. Cimicifuga) bekannt geworden. 

Wegen des deutlichen Nutzens bei allen Östrogen-Mangelzuständen, z.B. in der Pubertät, bei Regelverzögerungen und im Klimakterium, hat man lange Zeit angenommen, die Wirkung sei auf einen Gehalt an pflanzlichen Östrogenen zurückzuführen. Das ist jedoch, wie wir heute wissen, nicht der Fall. Die indianische Frauenwurzel greift in die Steuerfunktionen der Regelkreise ein. Sie hemmt offenbar das luteinisierende Hormon und stellt dadurch das natürliche Gleichgewicht zwischen körpereigenem Östrogen und Progesteron wieder her. Damit werden auch die störenden Rückkoppelungen der Hirnanhangdrüse auf die Schilddrüse, die Streßhormone und damit auf die Psyche gemildert. 

Intensiv wurde die Indianische Frauenwurzel vor allem in Japan und China untersucht, weil sie auch dort in der traditionellen Medizin unter dem Namen Shengma Verwendung findet. Dort wird sie als Antirheumatikum und Mittel zur Steigerung der Immunabwehr und gegen Ängste eingesetzt. 

Back to the roots: (frei übersetzt aus einem indianischen Gesang)  
"Als Ribanna den Lauf des Mondes nicht mehr in ihrem Schoße fühlte, und ihrem Stamme keine tapferen Söhne mehr schenken konnte, begann sie in der Seele und auf der Haut zu weinen - bis die weise Yaheijo sie lehrte, Squawroot zu sammeln, die Indianische Frauenwurzel."