Allergie - mehr Freund als Feind

(Vortrag auf dem Deutschen Heilpraktikertag Düsseldorf 1994)

von Hans-Heinrich Jörgensen

 
Als ich in grauer Vorzeit achtzehn war, und noch fürchterlich unreif, da habe ich nach einer feucht-fröhlichen Strandpartie in der Badehose in einem Brennesselfeld genächtigt. Was am nächsten Morgen auf meiner Haut zu bewundern war, sah aus wie eine Allergie, war aber keine. Es war eine klassische Urtikaria, ausgelöst von den histaminbewehrten Härchen der gemeinen Urtika. 

Als ich dann etwas erwachsener wurde, aber vom Grad meiner heutigen Reife und Weisheit natürlich noch unendlich weit entfernt, versuchte ich, eine Scheunenwand mit Carbolineum zu spritzen - bei Sonnenschein und Gegenwind. Was danach in meinem Gesicht blühte, sah auch aus wie eine Allergie, war aber nur eine schlichte Kontaktdermatitis, ausgelöst durch die toxische Schädlichkeit des Steinkohlenteeröls. Im Grunde genommen handelte es sich um einen Sonnenbrand, denn Steinkohlenteeröl ist nichts anders als eingefangener Sonnenschein von Jahrmillionen. 

Und was uns heute allzuoft in der Praxis als Allergie präsentiert wird, und auch monatelang so vorbehandelt wurde, ist oft nichts anderes als eine simple parasitäre Erkrankung, von der Pilzinfektion bis zur Krätze. Es ist wichtig, diese Unterschiede zu kennen und zu erkennen, denn diese Bilder bedürfen einer gezielten antiparasitären Therapie. 

Wir klagen heute häufig und laut über eine Zunahme der allergischen Erkrankungen. Als eingefleischter Querdenker neige ich dazu, solche Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen, und dann kommen mir Zweifel, ob es denn wirklich eine solche Zunahme gibt. Mir scheint das mehr ein statistisches Problem zu sein. Greift die Literatur ein Thema auf, dann dringt es verstärkt in das Bewußtsein der Patienten und Therapeuten und als Folge treibt es die Statistik in die Höhe. Auch sind die Menschen heute weniger bereit, ein Leiden einfach hinzunehmen, sie suchen die Therapie. Und da Patienten mit einer so schwer zu therapierenden Krankheit häufig den Behandler wechseln, werden sie auch mehrfach erfaßt, sofern es denn mangels Meldepflicht eine einigermaßen zuverlässige Erfassung überhaupt gibt. 

Auch klagen wir gerne die Umweltverschmutzung an. Die klagen wir zu recht an, denn der Mensch ist ja eifrig bemüht, den Ast abzusägen, auf dem er sitzt. Wenn Mutter Erde sich gegen ihren Erzfeind, den homo sapiens verzweifelt wehrt, indem sie die tödliche Fehlinformation in Form eines neuen Virus ausgerechnet in jenes System einschleust, das der Abwehr dient, dann ist das ein berechtigter Akt der Notwehr. Die Umweltgifte machen Intoxikationen vielfältiger Art und Kontaktekzeme, sie lösen auch Überempfindlichkeitsreaktionen aus. Allergien jedoch nur im Ausnahmefall, wenn sie sich mit einer organischen Substanz zum Hapten verbinden. 

Allergien entwickelt der Mensch vornehmlich gegen natürliche Substanzen mit Eiweißcharakter. Eiweiß ist der Träger genetischer Information. Und in der Natur versucht die genetische Information immerfort von Wirtsorganismen Besitz zu ergreifen, indem sie das eigene Erbgut dort einschleust, die Wirtsgene manipuliert und verändert. Das Individuum Mensch besitzt ein leistungsstarkes Immunsystem, das einen Schutzwall gegen solche Verfremdung durch andere genetische Informationen aufbaut. 

Typische Allergene sind Blütenpollen, die den Heuschnupfen oder das Asthma auslösen, die Milben im Hausstaub oder der Backstube, Tierhaare, Schimmelpilze und - wenngleich weit überschätzt - die Eiweißnahrungsmittel wie Milch, Ei, Fleisch, Fisch und Hülsenfrüchte. Die Suche nach dem auslösenden Allergen setzt kriminalistisches Geschick voraus. 

Fremdes Eiweiß sucht auf verschiedenen Wegen, in uns einzudringen um von uns Besitz zu ergreifen. Für jeden dieser Wege haben wir eigene Umgangsformen entwickelt. 

Da ist zunächst einmal der äußere Schutzwall Haut, der unser Individuum ummantelt. Zugegeben, nicht so stabil wie beim Krokodil oder der Schildkröte, aber immer noch nahezu undurchlässig. Wir aber schmieren alle möglichen Cremes mit obskuren Ingredienzien auf die Haut, um sie schöner, geschmeidiger, elastischer zu machen, und damit natürlich auch permeabler. 

Schlimmer noch: in ärztlicher Praxis, und natürlich auch beim Heilpraktiker, greifen wir mit sagenhafter Leichtfertigkeit zur spitzen Kanüle und bringen - ratzefatz - Arzneien durch den Schutzwall Haut hindurch in den Organismus ein, und das allzuoft nicht nur aus pharmakokinetischen Gründen, sondern aus liquidationstechnischen. Und dann wundern wir uns über Allergien. 

Bevor wir zur Nadel greifen sollten wir sehr sorgfältig prüfen, ob es denn nicht auch oral geht, zumindest bei organischen Substanzen mit ihrem hohen Allergenpotential, oder bei solchen, die für ihr großes Allergierisiko bekannt sind. 

Den Neuraltherapeuten zur Befriedigung sei gesagt, daß entgegen den Warnhinweisen des Bundesgesundheitsamtes Procain  nicht dazu zählt. 

Mitten durch das zu schützende Individuum führt eine Transitstrecke, von den Lippen bis zum After. Dieser Weg verhält sich ganz anders als die Haut. Er ist dazu gemacht und gedacht, fremdes Eiweiß passieren zu lassen, auf daß es uns als Nahrung diene. Allerdings erst, nachdem es zu seiner Grundsubstanz abgebaut wurde und damit seines genetischen Invasionscharakters beraubt wurde. Ein System, daß zum Abbau und zur Aufnahme von Fremdeiweiß konstruiert ist, kann nicht sonderlich allergieträchtig sein. Und in der Tat entpuppen sich die meisten vermeintlichen Verdauungstrakt-Allergien bei immunologischer Prüfung auch als Störungen anderer Art. Schlichte Ernährungsfehler, Unverträglichkeiten, Intoxikationen, Mykosen und natürlich die ganz banale partielle Pankreasinsuffizienz setzen dem Patienten zu. Um Allergien handelt es sich nur in seltenen Fällen. 

Unser schutzbedürftiges Individuum hat noch eine Einstülpung. Die allerdings ist hochempfindlich gegen fremdes Eiweiß. Sie ist gedacht, nichts anderes als Sauerstoff hineinzulassen. Gelangen dennoch Eiweißpartikel mit der Atemluft hinein, dann werden sie hinausgeflimmert. Überwinden sie diese Schranke, wäscht das System sie hinaus, und gelingt es den Fremdlingen, sich auch hier noch hindurchzumogeln, dann werden sie verdaut. Aus gutem Grund drei Schutzvorrichtungen. Schlimm aber, wenn auch die dritte überwunden wurde. Dann, und erst dann, reagiert das Immunsystem unseres Individuums mit der Bildung einer spezifischen Abwehrtruppe gegen eben diesen Feind, damit es denn bei diesem einen Übergriff bleiben möge. Soweit kommt es in der Regel nur, wenn der Atemtrakt vorgeschädigt war. 

Wehe aber, das Allergen kommt ein zweites Mal. Dann bläst die Schutztruppe zum Angriff. Die Schleimhäute schwellen, schleimen, krampfen. Der Patient leidet, aber wer will es dem Immunsystem übelnehmen, daß es sich mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen die Invasion fremder genetischer Informanten wehrt ? 

Asthma heißt diese Reaktion. Die Griechen, die ihr den Namen gaben, haben gut beobachtet. Lassen Sie doch einmal die beiden "A" vorn und hinten weg, und versuchen Sie den Rest "STHM" zu artikulieren. Sehen Sie, das ist Asthma, eine schlimme Krankheit, die uns immer in die therapeutische Zwickmühle bringt, die Anfälle supressiv zu behandeln, und damit das Immunsystem zu schwächen, oder das Immunsystem aufzubauen, und Anfälle in Kauf zu nehmen, wohlwissend, daß jeder Asthmaanfall Lungengewebe irreversibel zerstört. 

Merke: Jedes Asthma beginnt allergisch, jedes Asthma wird psychisch und jedes Asthma endet mit Frühinvalidität. 

Kaum zu glauben, aber es soll Menschen geben, die dieses sensible System zwanzig bis dreißigmal täglich mit Teer und Ruß einsprühen, weil sie glauben, das sei der Duft der großen weiten Welt. 

Da gibt es noch eine Einstülpung in unser Individuum, nicht alle verfügen drüber, nur die Hälfte von uns. Die wiederum verhält sich ganz anders im Umgang mit fremden Genen. Sie blockt sie nicht ab, wie die Haut, sie verdaut sie nicht, wie der Darmtrakt, sie flimmert sie nicht hinaus, wie der Atemweg. Nein - diese Einstülpung ist dazu gemacht, fremdes Eiweiß unverändert aufzunehmen, ins Individuum eindringen zu lassen, sich mit körpereigenem Eiweiß zu verschmelzen  - auf das daraus ein völlig neues Wesen entstehen möge. 

Hier wiederum gibt es mehr Allergien als wir ahnen. Manch unerfüllter Kinderwunsch hat seine Ursache in der Allergie der Frau gegen das Sperma ihres Mannes. Aber Vorsicht: als Kontrazeptivum taugt diese Allergie nur bei diesem einen Mann. 

Hut ab vor dem, der sich diesen vielfältigen Umgang mit fremden genetischen Informationsträgern ausgedacht hat. 

Störungen unseres Immunsystems gibt es auf dreierlei Weise. Zwar keine allergische Erkrankung, vielleicht aber der erste Schritt dahin, ist die Immunschwäche. Ich denke dabei nicht so sehr an die virusbedingte, mit der die Natur uns zeigt, daß sie uns in punkto Gen-Manipulation etliche Schritte voraus ist. Ich denke mehr an jene vielen Kinder, denen wir garkeine Chance geben, ihr Immunsystem zu trainieren, weil wir jeden banalen Infekt mit Antibiotika oder fiebersenkenden Zäpfchen im Keime erschlagen. Woher stammt denn die Volksweisheit, daß die Kinder der Slums widerstandsfähiger sind, als die aus den Wohlstandsvillen ?  
Machen Sie Ihren jungen Müttern Mut, ihren Kindern auch einmal Fieber zuzumuten. Im Feuer des Fiebers verbrennen nicht nur die Bakterien, auch entartete, potentiell bösartige Zellen werden von einem intakten Immunsystem erkannt und eleminiert. Es gibt eine retrospektive Studie über den Zusammenhang zwischen Fieber in der Anamnese der Patienten und einer späteren Krebssterblichkeit, die deutlich zeigt, daß Patienten mit häufigen Fieberschüben ein geringeres Krebsrisiko haben. 

Spinne ich diesen Faden weiter, dann drängt sich zwangssläufig der fatale Verdacht auf, daß schlußendlich die heute so beliebte supressive Therapie zu einem Anstieg maligner Erkrankungen führen muß. Unsere alternativen, oder besser additiven Krebstherapien haben dieserhalb ja auch alle das Ziel, das Immunsystem zu stimulieren. 

Unser Immunsystem kann sich auch irren. Dann kämpft es gegen den falschen Feind, den eigenen Körper. Autoimmunkrankheiten, wie das echte Rheuma, die pcP, die multiple Sklerose, die Myasthenia gravis oder eine bestimmte Form der Zuckerkrankheit zeichnen sich dadurch aus, daß der Körper sein eigenes Eiweiß nicht mehr als körpereigen identifiziert und darum zum Angriff gegen sich selbst bläst. 

Alles, was ich bisher gesagt habe, ist "wissenschaftlich verifiziert". Aber an dieser Stelle stelle ich einmal eine Hypothese in den Raum, die es wert scheint, durch eine Doktorandenarbeit weiterverfolgt zu werden: 

Wir wissen, daß die Prägephase zum Erkennen des körpereigenen Eiweißes in den ersten Wochen nach der Geburt liegt. In diser postnatalen Zeit hat das Neugeborene auch noch kein eigenes Immunsystem, es ist - aus eben diesem Grunde - auf die Antikörper in der Muttermilch angewiesen. Jeder Tierzüchter weiß um die Wichtigkeit der Kolostralmilch. Was ist, wenn wir den kindlichen Organismus, weil wir ihm die Muttermilch vorenthalten, zwingen, vorzeitig ein eigenes Immunsystem aufzubauen, und das zu einem Zeitpunkt, da er sein eigenes Eiweiß noch nicht erkannt hat ? Werden hier nicht möglicherweise die Informationen gespeichert, die dann später zur Zerstörung dieses eigenen Körpermaterials führen ? Zu deutsch: Haben nicht gestillte Kinder später ein höheres Rheumarisiko ? 

Und schließlich kann das Immunsystem übers Ziel hinausschießen, die Allergie. Aber wollen wir es unserem Schutzengel übelnehmen, wenn es im Gefolge seiner Abwehrschlacht zu Hautjucken oder Atemnot kommt ? 

Aber zunächst sollten wir eine Minute bei den eingangs aufgezeigten Verwechslungsmöglichkeiten bleiben. Die Kontaktdermatitis ist keine Allergie. Es ist normal und gut, wenn unsere Haut auf den Kontakt mit toxischen Substanzen abwehrend reagiert, ob wir uns in Brennesseln baden oder Carbolineum draufsprühen. Und schmieren wir ein Kosmetikum drauf, um die Haut straffer und faltenfreier zu machen, haben wir keinen Grund zum Geschrei, wenn sie denn etwas straffer gerät, als vorgesehen. 

Kontaktdermatiden sind nicht allergisch, sie sind dosisabhängig. Die üblichen Hauttests helfen bei der Frage "Allergie oder nicht ?" nicht sonderlich weiter. Auch auf toxische Substanzen reagiert die Haut beim Pflaster oder dem Scratch-Test mit einem Histaminhof. Und therapeutisch hilft nur das Weglassen. 

Gleiches gilt für die unspezifische Immunantwort, zu deutsch Überempfindlichkeitsreaktion. Hier kommt es nicht so sehr auf die fremde Substanz an. Die Überempfindlichkeit ist möglich gegen jedwede harmlose Substanz, einfach weil es infolge wenig stabiler Mastzellen zu einer voreiligen oder unnötigen Histaminausschüttung kommt, ganz ohne spezifisches Allergen. Auch hier sprechen Epi- und Intracutantests positiv an und führen auf die falsche Fährte. Dies sind die Patienten mit der langen und stets wechselnden Liste verbotener Stoffe im Allergenpaß. 

Zu mindestens 30% sind Prick- und Scratchtest in der Haut falsch positiv. Echte spezifische Allergien mit IgE-Bildung lassen sich nur durch den RAST- oder RIST-Test im Serum sicher nachweisen. 

Zwischen den Stühlen sitzt die Neurodermitis, die eigentlich keine Allergie sondern eine Erbkrankheit ist, dennoch aber mit einem erhöhten IgE-Spiegel einhergeht. Eine klassische Allergie kann sie schon deswegen nicht sein, weil Säuglinge zwar eine Neurodermitis aber mangels eigener Immunkompetenz keine Allergie haben können. Die Neurodermitis reagiert auf vielfältige unspezifische Reize in der Nahrung, im Klima, im Umfeld und selbst in der Psyche. Eine deutliche Besserung läßt sich durch die Stabilisierung der Mastzellen mittels Zink erreichen. 

Die echte Allergie, spezifisch gegen ein ganz bestimmtes Allergen, mit immunologisch nachweisbaren Antikörpern, bzw. IgE, ist - Gott sei's gedankt - weniger häufig als beklagt, dafür aber - Gott sei's geklagt - eine lebensgefährliche Krankheit. Sie kann unversehens zum anaphylaktischen Schock mit tödlichem Ausgang führen. Diese Reaktion ist  n i c h t  
dosisabhängig. Schon geringste Mengen des Allergens können einen Schock auslösen. 

Darum macht auch die immer wieder empfohlene Testquaddel vor der eigentlichen Injektion wenig Sinn. Und das in den Bindehautsack geträufelte Testtröpfchen trifft nun wahrlich den verkehrtesten Ort für derlei Experimente. Den ersten anaphylaktischen Schock bekam ich zu Gesicht, als der damalige "Allergie-Papst" mir an seiner allergologischen Klinik die Testungen demonstrierte. Ein Heuschnupfen-Patient, ein Kerl wie ein Baum, schockte nach der Injektion der Testquaddel in einer Verdünnung 1:10 Millionen des verdächtigen Allergens. 

Wichtig zu wissen ist auch, daß der Körper 9-10 Tage braucht, um nach dem Erstkontakt mit dem Allergen die entsprechenden Antikörper zu bilden. Beginnen Sie also eine Therapie mit einem potentiellen Allergen, wiegen Sie sich nicht zu früh in Sicherheit. Die kritische Phase beginnt erst nach dieser Zeit. Und sie hält dann ein Leben lang an. 

Den zweiten anaphylaktischen Schock habe ich selbst leichtfertig provoziert, ein klarer Kunstfehler, weil ich eine früher einmal beobachtete Reaktion des Patienten nicht ernst nahm. Zwanzig Minuten nach der fatalen Fehl-Injektion stand der Patient wieder auf der Matte, hochrot, von einer Urtikaria übersät, mit tauber Zunge nur noch mühsam lallend. Und dann wurde er nach Luft ringend bewußtlos. 

Spätestens bei dem Taubheitsgefühl im Rachen läuten alle Alarmglocken. Dann ist alles angesagt, was die Notfall-Medizin lehrt: Adrenalin, Cortison, venöser Zugang, Volumenauffüllung und Notarzt-Wagen. 

"Sterben ist garnicht so schlimm." waren die ersten Worte dieses Patienten als er die Augen wieder aufschlug, wohl wissend, daß er dem Gevatter Hein nur mühsam von der Schippe gesprungen war. 

In der Therapie der echten Allergie setzt die Medizin derzeit große Hoffnungen auf eine spezifische Desensiblisierung, bei der dem Kranken hohe Verdünnungen seines ausgetesteten Allergens in langsam fallender Konzentration injiziert werden, in der Hoffnung, dadurch würden die Antikörper blockiert oder verbraucht. Inzwischen ist man etwas bescheidener geworden und spricht nur noch von einer Hyposensibilisierung. Ganz ungefährlich ist dieses Spiel nicht. Pro Jahr ist diese Therapie in Deutschland mit 8-12 Todesfällen belastet. 

In der Naturheilkunde sprechen wir von einer unspezifischen Desensibilisierung, wenn wir Maßnahmen ergreifen, die das Immunsystem stabilisieren sollen. Das ist wohl auch das Wirkprinzip der meisten Therapien, über die Sie heute aus berufenem Munde noch einiges hören werden, ausgehend von dem Gedanken, daß ein jedes Organsystem immer dann in seinen Reaktionen über's Ziel hinausschießt, wenn es in Wirklichkeit zu schwach zu einer angemessene Reaktion ist. Ein insuffizientes Herz wird tachykard, ein in der Seele angeschlagener Patient oft aggressiv. Kann nicht auch die überschießende allergische Antwort des Immunsystems Zeichen seiner Schwäche sein ? 

Im Gegensatz zur Schulmedizin, die ihr Heil in der suppressiven Anfallskoupierung mit Antihistaminika oder Cortikoiden sucht, bemühen wir uns in der Naturheilkunde, das Immunsystem zu stärken und zu stimulieren. Nicht immer ist das möglich, weil damit auch die Anfallshäufigkeit und Stärke zunehmen kann. Die Nebenwirkungen der Cortikoide rechtfertigen jedoch immer einen Versuch, diesen anderen Weg zu gehen. 

Unverzichtbar in der kausalen Therapie der Allergien und Pseudoallergien sind die Mineralien Calcium zur Membranabdichtung, Kalium zur Stabilisierung der neuromuskulären Erregbarkeit und vor allem Zink, ohne das es keine Thymusreaktionen gibt. 

Zur Anfallsprophylaxe bedient die moderne Medizin sich heute gern der Cromoglicinsäure, von der ein informierter Heilpraktiker wissen sollte, daß sie nichts anderes ist, als ein synthetisch nachgebauter Abkömmling des Khellins aus der Ammi visnaga. So schlecht kann also die traditionelle pflanzlich ausgerichtete Therapie unserer Altvorderen nicht gewesen sein, wenn man sie zum Vorbild nimmt.