Eisen = Ferrum Fe

 
Eisen (Ferrum = Fe ) ist ein zwei-, drei- oder sechswertiges Kation  
mit der Atommasse 55,85 und der Ordnungszahl 26.  
Dichte 7,86 g/ccm, Schmelzp. 1536 C., Siedetemp. 3000 C.  
Silberweißes, zähes, weiches Metall.  
Vorkommen: Magnetit, Hämatit, Limonit, Siderit, Pyrit,  
Magnetopyrit, Olivin 

 
Wir leben weder in der Kunststoff- noch in der Atomzeit, wir leben geschichtlich gesehen immer noch in der Eisenzeit. Jeder von uns kennt jene hervorstechende Eigenschaft des Eisens, für die er sich in jungen Jahren irgendwann eine kräftige "Watschen" eingehandelt hat: das schöne blanke Fahrrad wurde nach einer Regenfahrt im Keller häßlich braunfleckig. 

Ich denke, der liebe Gott hat bereits ein Fahrrad besessen, ehe er den Menschen schuf, zumindest wußte er um diese Eigenschaft. Er hat nämlich eine Menge Eisen in unser Blut gemischt, damit es denn in der Lunge, genau wie das Fahrrad im Keller, kräftig rosten möge, nämlich Sauerstoff und Eisen zu Eisenoxid verwandeln. Mit dem Blut wird dann der Sauerstoff überall hin in den Körper transportiert, wo er zur Verbrennung nötig ist. Keine Verbrennung ohne Sauerstoff. Sie kennen alle das Schulexperiment mit dem umgestülpten Wasserglas über der brennenden Kerze, die daraufhin erlischt. Auch ohne, daß Wasser im Glas war. 

Eisen ist für den Sauerstofftransport wie auch für die Sauerstoffauswertung unerläßlich. Die Enzyme der Atmungskette, die Cytochromoxidasen, und der Muskelfarbstoff Myoglobin, alles enthält Eisen. 

Ein Eisenmangel führt zur Blutarmut, ein Mangel an Vitamin B 12 allerdings auch. In allen Lehrbüchern der inneren Medizin wird die Eisenmangel-Anämie als die häufigste Form der Anämie bezeichnet. Nach meinen Untersuchungen ist die Vitamin-B12-Mangel-Anämie heute jedoch viel weiter verbreitet. In den gleichen Lehrbüchern ist kurioserweise auch der Normwert des Hämoglobins, des eisenhaltigen Blutfarbstoffes, für Frauen stets niedriger angegeben als für Männer. Richtig ist, daß Frauen in ihrer Fruchtbarkeitsphase stets etwas weniger Hämoglobin haben als Männer, weil sie regelmäßig Blut verlieren. Aber diesen Mangelzustand als Norm festzumauern zeigt doch, wie fragwürdig unsere sogenannten Normwerte eigentlich sind. Ich glaube nicht, daß der Sauerstoffbedarf und die Transportkapazität bei Frauen anders als bei Männern ist. 

Zu nicht blutungsbedingten Eisenmängeln kommt es durch Ernährungsfehler. Zuviel eisenarme Kuhmilch macht bei Kindern Mangelerscheinungen. Komplexbildner, wie Oxalate, Phytine, Fluor und Blei, Kohlenmonoxid, Pankreatin und vor allem Antibiotika, binden Eisen unlöslich an sich, so daß es nicht mehr zur Verfügung steht. Der Komplexbildner allerdings auch nicht. Das bedeutet, daß Antibiotika und Eisen nicht zusammen gegeben werden dürfen, sollen nicht beide ihre Wirkung einbüßen. Manche behaupten gar, seit wir die Bratkartoffeln in der Teflonpfanne braten und nicht mehr in der Eisenpfanne wenden, nähme die Blutarmut zu. Bei einem Eisenmangel sollte man auch an Darmparasiten denken, früher obligatorisch in der Kindheit, heute fast vergessen. 

Unsere Großmütter hatten ein preiswertes Hausmittel gegen die Eisenmangel-Anämie. Sie hatten ja noch nicht an jeder Kreuzung vier Apotheken und mußten in der weit entfernten königlich privilegierten Hof-Apotheke ihre Arznei teuer selbst bezahlen. Im Herbst nach der Apfelernte stellten sie eine Stiege Äpfel an die Seite, steckten in jeden Apfel zwei bis drei alte Nägel aus Großvaters Werkstatt und ließen das ganze ein Weilchen stehen. Die häßlichen braunen Flecken, die sich um die Nägel bildeten, waren nichts anderes als Ferromalat, eine gut bekömmliche Eisen-Apfelsäure-Verbindung, wie man sie heute teuer in bunten Weichgelatine-Kapseln kaufen kann. Wer im Frühjahr die Äpfel aß, hatte ganz preiswert seine Anämie bekämpft. Aber wichtig: die Nägel vorher herausziehen. Übrigens: Der Bundesgesundheitsminister hat mich nicht für diesen Tip bezahlt. 

Auch die Haut mitsamt den Haaren und Nägeln braucht Eisen. Ein Mangel zeigt sich darum zuerst durch Zungenbrennen, Schrunden an den Mundwinkeln und Schluckbeschwerden. 

Die routinemäßige Laboruntersuchung des freien Eisens im Serum macht wenig Sinn. Nur ein Bruchteil des Eisens ist im Serum, das meiste steckt in den roten Blutkörperchen, in der Leber, der Milz und im Knochenmark. An den Mikrogramm-Spuren im Serum läßt sich wenig erkennen. Ein Mangel wird erst angezeigt, wenn alle Depots erschöpft sind. Ein zuviel ist meistens als technischer Fehler zu werten. Das Blut fließt bei der Entnahme ja durch eine Eisenkanüle, und der Gummistopfen, der das Reagenzglas verschließt, ist eisenhaltig. Zudem schwankt der Serumspiegel im Tagesverlauf stark. 

Zweiwertige Eisenverbindungen werden besser resorbiert, jedoch lassen sich therapeutisch auch dreiwertige verwenden. Das Eisen wird im Zuge der Resorption und Verwertung mehrfach oxidiert und wieder reduziert. 

In der Schüßlerschen Biochemie hat sich die Nummer 3, Ferrum phosphoricum, seit über 120 Jahren vor allem als Entzündungsmittel eingebürgert und bewährt. Zunächst zum Gespött der Medizin, heute lacht niemand mehr darüber. Im Gegenteil, ganz selbstverständlich wird nach Infektionen zur Rekonvaleszenz Eisen verordnet. 

Diese Anwendung zeigt wieder einmal, wie präzise Schüßler beobachten konnte. Sein Erklärungsmodell von den erschlafften Ringmuskeln ist überholt, und wir sollten es nicht immer wieder ausgraben. Richtig ist aber, daß die Freßzellen, die Phagozyten, zum "Knacken" eines Bakteriums auf die Anwesenheit freier Eisen-Ionen angewiesen sind. Ohne Eisen keine Phagozytose. Übrigens: auch die Anwesenheit freier Sauerstoff-Radikale, von denen wir heute so tun, als seien sie der leibhaftige "Gott-sei-bei-uns", ist für die Freßtätigkeit der weißen Blutkörperchen notwendig. 

Und schließlich binden freie Eisen-Ionen die Bakterien-Toxine, jene Ausscheidungsgifte der Bakterien, die die typischen Zeichen einer Infektionskrankheit erst machen. Eisen hat sich also wirklich und zu Recht als Entzündungsmittel bewährt. 


  
  
  
 


 
Mögliche Eisen-Mangelzeichen:

Blutarmut mit kleinen Blutkörperchen,  
Leistungsabfall, Müdigkeit, Kopfschmerzen,  
erhöhte Infektionsanfälligkeit,  
Schluckbeschwerden, Zungenbrennen, Schrunden an den Mundwinkeln,  
Haarausfall, Nagelbrüchigkeit,  
ausbleibende Monatsblutung.